Vive la France! - Eine Inspiration fürs Leben

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Jewish Experience fuhr nach Straßburg und ich hatte die Möglichkeit, diese Gruppe zu begleiten und meinen kleinen Beitrag zu leisten. Gleich wenige Kilometer hinter der deutschen Grenze befindet sich die Gruppe von etwa 27 Studenten und Young Professionals plötzlich in der (verglichen zu Deutschland) tastbar lockeren und fließenden französischen Kultur. Ein richtiger „Culture Shock“. Am Bahnhof sprechen die Franzosen noch ein wenig Deutsch und English. Aber ab da - viel Erfolg beim Kommunizieren (Ich glaube der Franzose auf dem Bild unten sagt mehr als Tausend Worte). Hoffentlich erreicht man das jüdische Viertel…

Und doch fühlt man sich gleich zu Hause. Denn die ganze Stadt wird von der deutschen Gründerzeit- Architek"Schawuot birgt immer noch ein Geheimnis, das mir bis heute ein Rätsel bleibt. Wahrscheinlich ist es dieses unterschwellige Gefühl etwas Großes vollbracht zu haben, ein Teil von etwas Größerem geworden zu sein. Aber Beschreiben kann ich es aber nicht."  tur geprägt. Beinah jedes Haus wurde zwischen 1870 und 1914 errichtet. Und mitten im jüdischen Viertel gibt es natürlich die imposante ehemalige Kaiserresidenz, heute eine elitäre Hochschule des französischen Militärs. (Und wenn der Anblick eines so prachtvollen kaiserlichen Bauwerks bei Dir keine warmen Gefühle weckt, dann weiß ich auch nicht) Man muss auch erwähnen, dass Straßburg eine der wenigen Städte in Europa ist, in der es einen Eruv gibt, was soviel heißt, dass Juden, die den Schabbat halten, Gegenstände tragen können. (Mehr dazu werde ich vielleicht irgendwann in einem Shiur erklären). Es ist einfach so bequem ein Baguette und eine Flasche französischen Wein am Schabbat tragen zu können.shavuot_strassburg_small

Dazu die freundlichen Gastgeber der Straßburger jüdischen Gemeine, die französische Kochkunst und eine „logistische Meisterleistung“ seitens lokaler Unterstützer, Polina, Meir, die unbeschreiblich unterhaltsames Programm von Shimi Lang und eine großartige jüdische Gruppe aus Frankfurt und ganz Deutschland. Die Schawuot Jewish Experience in Straßburg konnte beginnen....

Warum macht es eigentlich so viel Spaß drei Tage lang ununterbrochen zu essen, sich zu unterhalten, spazieren zu gehen und Tora zu lernen, also eigentlich nichts tun? Shavuot birgt immer noch ein Geheimnis, das mir bis heute ein Rätsel bleibt. Wahrscheinlich ist es dieses unterschwellige Gefühl etwas Großes vollbracht zu haben, ein Teil von etwas Größerem geworden zu sein.  Aber Beschreiben kann ich es aber nicht.

Außer zahlreichen Shiurim (Vorträgen) und Diskussionen während der Tage, haben wir, wie es der althergebrachter jüdische Brauch ist, die gesamte Schawuotnacht „durch gelernt“. (Coca Cola und Kaffee sei Dank!!!). Es gehört sicherlich zu den Vorteilen Schawuot in Nordeuropa zu verbringen, wo die Morgendämmerung schon um 4 Uhr anbricht und man dann gleich das Morgengebet beginnen kann, und um 6, zwar hundemüde, aber glücklich durch die vollbrachte Leistung, wieder im Bett ist. (Ich frage mich wie das die Juden in den Ländern aushalten, wo der Morgen um 5 oder 6 anbricht und sie nicht vor 8 im Bett sind. Und übrigens habe ich es mir wieder bewiesen, dass nicht nur Pferde in Stehen schlafen könnenJ.

Nach drei Tagen musste man leider akzeptieren, dass „all good things come to an end“. Die Gründerzeit Architektur kann man, außer wenn man in Prenzlauer Berg, Berlin wohnt, nicht nach Hause mitnehmen. Dafür hat man ein inspirierendes Wochenende verbracht, das eine nachhaltige Spur in unseren Herzen hinterlässt. Vielen Dank an alle, die da waren und mitgemacht haben!

Ich für meinen Teil habe sehr viel von dieser Reise mitgenommen. Als ein Student des Rabbinerseminars zu Berlin macht es mich besonders glücklich kluge und neugierige junge Menschen zu erleben, die ernsthaft daran interessiert sind, sich mit der jüdischen Tradition auseinanderzusetzen und mehr über unseren gemeinsamen Lebensweg lernen wollen. Ich hoffe, dass ihr mein positives Gefühl teilt. Es war ein großer Erfolg und ich hoffe auch in der Zukunft noch ein mal die Gelegenheit zu bekommen mit dieser tollen Gruppe die nächste Jewish Experience zu erleben.

Für Fragen und „rabbinischen“ Rat stehe ich gerne zur Verfügung. Schreibt mir: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Geschrieben Von Rabbiner Jonathan Konits

Mehr über den Autor: Jonathan wurde 1982 in Baltimore, USA, geboren. Nach dem Abschluss seines Philosophie-Studiums am Swarthmore College in Philadelphia kam er für Recherchearbeiten im Rahmen einen Fulbright-Stipendiums nach Deutschland....

Während der Zeit in Deutschland erweckte sein Interesse an seinen jüdischen Wurzeln. Nach mehreren Jahren der Vorbereitung entschloss er sich im Sommer 2009, die Ausbildung am Rabbinerseminar zu Berlin aufzunehmen. Neben dem Studium begann er die Vorbereitungen zu seiner Dissertation an der Freie Universität Berlin. Nebenbei baute er im Laufe der Jahre ein Stadtführungsunternehmen auf, das insbesondere Touren des jüdischen Berlins anbietet.