Wochenabschnitte Matot-Masei

Die Thora-Wochenabschnitte "Matot" und "Masei" werden üblicherweise zusammen gelesen, entweder am Schabbat vor dem Beginn des Monats Av oder am ersten Schabbat des Monats Av. Das ist der Monat, in welchem der Bayit Hamikdasch, der Heilige Tempel, zerstört wurde. Der vollständige Name des Monats ist jedoch Menachem Av. Menachem bedeutet soviel wie "Tröster" und Av bedeutet "Vater" - Bezug nehmend auf unseren Himmlischen Vater.

 

Seit der Zerstörung des Bayit Hamikdasch, war der Monat Av stets eine Zeit von Trauer und Sehnsucht für das Jüdische Volk, welches sich an G"TT wendet und um Trost für sein Leid bittet. In ähnlicher Weise ist auch G"TT, der mit dem Jüdischen Volk in die Galut ging, vom Leid der Galut betroffen und sucht umgekehrt Trost beim Jüdischen Volk.

Würde sich der Monat Av nur darum drehen, wie G"TT das jüdische Volk tröstet, wäre es passender gewesen, diesen Monat "Av Menachem" zu nennen: "Trost spendender Vater". Der Name "Menachem Av" hingegen deutet auf die Rolle des Jüdischen Volkes hin, welches seinerseits seinen Himmlischen Vater tröstet. In praktischer Hinsicht bedeutet dies, dass das Jüdische Volk all solche Aktivitäten vermehrt, die dem ursprünglichen Grund für die Galut entgegenwirken und uns Maschiach näher bringen.

Beispiele hierfür sind: Ahavat und Achdut Israel (Nächstenliebe und Eintracht), das Studium von Thora (insbesondere über die Gesetze, die den Bayit Hamikdasch betreffen), das Anstreben bzw. Abhalten von "Siyumim" (das Beenden von Talmudtraktaten) - an jedem der neun Tage zwischen Rosch Chodesch Av bis Tischa Be'Av, Tzedaka (Wohltätigkeit) sowie Tefillah (Gebet). Durch die Erfüllung dieser und anderer Mitzwoth tröstet das Jüdische Volk G"TT und wird umgekehrt von G"TT getröstet. Das Motiv dieser gegenseitigen Trostspendung findet sich auch in der Doppel-Parascha "Matot-Masei" wieder:

Paraschat Matot berichtet davon, wie G"TT den Israeliten die Anweisung erteilt, gegen das Volk Midjan in den Kampf zu ziehen. G"TT bezeichnet diesen Kampf als "Vergeltung für die Kinder Israel". Doch als Moshe Rabeinu diese Anweisung an das Jüdische Volk weiterleitet, spricht er von der "Vergeltung für G"TT", um damit zu betonen, dass unser Gefecht auch G"TTES Gefecht ist und umgekehrt.

In ähnlicher Weise entnehmen unsere Weisen Z"L, dass wo immer auch das Jüdische Volk ins Exil geht, die Schechina (G"TTES Heilige Gegenwart) mit dem Jüdischen Volk ins Exil geht. Unser Exil ist auch G"TTES Exil, unser Schmerz ist auch G"TTES Schmerz - und von daher müssen wir G"TT genauso Trost spenden, wie wir ihn umgekehrt von G"TT benötigen.

Gleichermaßen wird auch die letztendliche Erlösung aus der Galut ein Anlass zur Freude für das Jüdische Volk wie für G"TT sein.

Schabbat Schalem!

* basierend auf Likutei Sichot, Vol. 23; Sefer HaSichot 5746, Vol. 2.