28 Iyyar 5772 - Sonntag, 20. Mai 2012
Zum Andenken an unseren Vater David Yossi ben Abba. M. und S. Rubinstein.  (Widme diese Leiste deinen Nächsten)

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Mit dem Wochenabschnitt Dewarim beginnen wir mit dem Lernen des gleichnamigen fünften Buches der Thora, welches von unseren Weisen z“l auch Mischne Thora genannt wird, also Wiederholung der Thora. Obgleich das Buch Dewarim auch Mitzwoth enthält, die in den ersten vier Büchern noch keine Erwähnung finden, beinhaltet das Buch Dewarim im wesentlichen eine Wiederholung der bisher erwähnten Vorschriften. Mosche Rabeinu richtet sich hiermit an eine neü Generation, die die Wunder des Auszuges aus Ägypten und den Empfang der Thora am Choreb nicht mit eigenen Augen gesehen hat, sowie an die noch folgenden Generationen. Diese Wiederholung kann gleichfalls als Rüstzeug Israels für die Landnahme und das Leben in Eretz Israel verstanden werden.

Das Überqueren des Jordan stellt indes sowohl einen spiritüllen wie auch geographischen Übergang dar. Die Kinder Israel überstanden die Wanderschaft durch die Wüste nur anhand des übernatürlichen Beistand G"TTES: Sie assen das Manna vom Himmel, sie tranken das Wasser aus der Quelle Miriams, und die Wolke der G"ttlichen Allmacht erhielt ihre Kleidung und bewahrte sie vor den Gefahren der Wüste. Nach dem Einzug ins Heilige Land hingegen musste das Jüdische Volk sich innerhalb der von G"TT gesetzten,  natürlichen Grenzen zurechtfinden; von nun an mussten sie das Land bearbeiten und von den Früchten ihrer Arbeit leben. Um einen solchen Übergang zu ermöglichen, bedarf es einem Zugang zur Thora, der den Mensch in Beziehung zu seinen irdischen Bedürfnissen setzt. Und zu diesem Zweck, lehrte sie Mosche Rabeinu das Buch Dewarim. Hierin liegt eine Verbindung, die bis auf den heutigen Tag bestand hat: Auch heute befinden wir uns wieder an den "Ufern des Jordan" und bereiten uns darauf vor, gemeinsam in das Heilige Land zu gelangen, und zwar mit der Ankunft von Maschiach. Und es ist gerade der Thora-Ansatz, wie ihn das Buch Dewarim liefert - "das Wort G"TTES mit irdischer Lebenserfahrung verbindend" - durch welchen wir die Zeit erleben werden, in welcher "die Erkenntnis G"TTES die ganze Welt erfüllen wird" (siehe Rambam; Mischne Thora, Hilchot Melachim) -  das messianische Zeitalter.

Üblicherweise wird der Wochenabschnitt Dewarim am Schabbat vor Tischa Be’Av gelesen. Dieser Schabbat wird auch Schabbat Chazon genannt, Schabbat der Vision. Diesen Namen verdankt er der Haftarah, die an diesem Schabbat gelesen wird und die die Vision des Propheten Jesajah über das zukünftige Schicksal Israels enthält (Jesajah 1,1). An diesem Schabbat der Vision, der in die neun Tage unserer Trauer um den Verlust des ersten und zweiten Tempels fällt, erhält nach Rabbi Levi Yitzchak von Berditchev das gesamte Jüdische Volk eine Vision des dritten Tempels, eine Vision des messianischen Zeitalters. Obgleich dieser Schabbat in die Zeit „inmitten der Bedrängnis (Echa 1,3)“ und tiefen Trauer fällt, zeichnet er sich von besonders grosser Festlichkeit und Freude aus. Der Schulchan Aruch erlaubt uns sogar, diesen Schabbat so zu feiern, als fiele er in die Zeit des Königtums von Schlomo Ha’Melech (Orach Chaim 552,10). So wie dieser Schabbat eng mit der Galut verbunden ist, so gibt er uns aber gleichfalls einen Vorgeschmack auf die finale Geula, die letztendliche Erlösung, auf die kein weiteres Exil mehr folgen wird.

Die Zerstörung des ersten Tempels führte das Volk Israel in das Babylonische Exil. Und so lesen wir auch im 137. Psalm: "An den Flüssen Babylons sassen wir und weinten auch, wenn wir an Zion dachten" - "Al naharot bavel scham jaschavnu gam bachinu b'sachenu et Zion". Der Sefas Emes, Rabbi Yehuda Aryeh Leib Alter von Ger, der zweite Gerer Rebbe, fragt in diesem Zusammenhang, weswegen das Wort "gam" bzw. "auch" in dem Passuk verwendet wird, welches auf den ersten Blick als überflüssig erscheint. Der Sefas Emes sieht darin einen direkten Hinweis darauf, dass wir nicht die einzigen waren, die an den Ufern Babylons weinten.... doch wer sonst noch? Der Sefas Emes erklärt hierzu, dass als die Welt erschaffen wurde und G"TT am zweiten Schöpfungstag die Wasser (des Himmels und der Erde) voneinander trennte, die Wasser der Erde sich bei G"TT beklagten, da sie sich herabgesetzt sahen. G"TT besänftigte die Wasser der Erde, indem er ihnen voraussagte, dass es eine Zeit geben werde, in welcher ihr Salz die täglichen Opfer im Heiligen Tempel begleiten und auch das Wasser selbst als Gussopfer an Sukkoth (dem Laubhüttenfest) dargebracht werden wird - und dieses Gussopfer der Inbegriff spiritueller Freude sein wird. Als mit der Zerstörung des Tempels dies aufhörte, weinten auch die Wasser der Erde, als sie Zion gedachten.

Schabbat Chazon Schalom!

* (u. a.) basierend auf Likutei Sichot.

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