Der Schabbat und der Mischkan (das Stiftszelt)
Parascha Vajakhel beginnt mit der Beschreibung, wie Mosche Rabeinu das gesamte Juedische Volk versammelt und, nach Vermittlung des G"ttlichen Schabbat-Gebotes, den Wunsch G"TTES an das Volk weiterleitet, Spenden fuer den Bau des Mischkan zu bringen [Schemot 35:1ff]. Raschi erklaert hierzu, dass Mosche Rabeinu das Gebot, den Schabbat zu halten noch vor dem Gebot, den Mischkan zu bauen weitergab, um dem Juedischen Volk beizubringen, dass trotz der herausragenden Bedeutung des Mischkan, dieser nicht am Schabbat errichtet werden duerfe.
Man koennte meinen, dass seitdem das hauptsaechliche Thema in Paraschat Vajakhel der Bau des Mischkan ist, dieser auch zuerst erwaehnt werden haette sollen. Weswegen also gerade jene Reihenfolge?
Die Beziehung zwischen der Observanz von Schabbat und dem Bau des Mischkan ist nicht nur von negativem Charakter; soll heissen, dass der Mischkan nicht nur einfach nicht am Schabbat errichtet werden darf; sie ist auch im positiven Sinne zu verstehen, was soviel bedeutet, dass die Beachtung des Schabbat eine notwendige Vorbereitung fuer den Bau des Mischkan darstellt.
Wie ist dies zu verstehen?
Obwohl 39 allgemeine Kategorien von kreativer Arbeit am Schabbat verboten sind [Traktat Schabbat 73a], erwaeht Mosche Rabeinu in unserer Parascha das Verbot, kein Feuer zu machen, besonders [Schemot 35:3.]. Wieso bezieht sich aber das Verbot von Feuer am Schabbat so besonders auf den Bau des Mischkan?
Und darueber hinaus: Warum versammelte Mosche Rabeinu alle Juden; Maenner, Frauen und Kinder - etwas, was Mosche Rabeinu nur sehr selten tat - um dann erst das Gebot von Schabbat sowie das Gebot des Mischkan zu verkuenden?
Erinnern wir uns - der primaere Sinn und Zweck des Mischkan ist es: "Lasse sie Mir ein Heiligtum errichten, auf dass Ich unter ihnen weile" [Schemot 25:8]; was eine Wohnstaette fuer G"TT in dieser Welt bedeutet. Wie der Midrasch [Bamidbar Rabbah 13:2; 12:6] es ausdrueckt : "Wann offenbarte sich die G"ttliche Gegenwart in dieser Welt? An jenem Tag, an dem der Mischkan errichtet wurde".
Anders als bei der Offenbarung der G"ttlichen Gegenwart am Berg Sinai, die hauptsaechlich auf G"ttlicher Initiative beruhte, fuehrte der Dienst der Juden hinsichtlich der Errichtung der Heiligen Wohnstaette zu einer noch vollstaendigeren und groesseren Offenbarung G"TTES im Mischkan.
Die Offenbarung G'ttlicher Gegenwart in dieser Welt bezeichnet die absolute Einheit G"TTES. Und da jene Offenbarung durch das Juedisch Volk herbeigefuehrt wurde, war es nur folgerichtig, dass das Juedische Volk ebenfalls aus dieser gemeinsamen Ursache heraus eine Einheit bilden musste. Daher Versammelte Mosche Rabeinu auch das gesamte Juedische Volk, bevor er die Anweisung zum Bau des Mischkan verkuendete.
Darueber hinaus; eine der grundlegendsten Ursachen fuer Meinungsverschiedenheiten und Spaltungen zwischen Menschen ist der Streit in monetaeren Angelegenheiten, sprich der Streit um Geld. Menschen tendieren oft dazu, schon allein bei der Vorstellung von finanziellen Verlusten in Panik zu geraten. Als nun das Juedische Volk gemeinsam sein Vermoegen fuer den Bau des Mischkan hergab, bezeugte es dadurch die Groesse seiner Einheit sowie seines Gemeinsinnes [Traktat Schabbat 117a; Rambam, Hilchot Schabbat 6:22, 23:20].
Diese Einheit wird auch gerade durch Mosche Rabeinu's Betonung der Wichtigkeit der Einhaltung des Schabbats, insbesondere durch das Verbot von Feuermachen, unterstrichen.
Ein grundlegendes Konzept von Schabbat ist es, uns das Bewusstsein tief einzupraegen, dass G"TT der alleinige Schoepfer ist und auch die gesamte Schoepfung erhaelt [Chinuch, Mitzvah 32]. Und dieses Wissen soll uns darueber hinaus in den sechs Wochentagen dazu helfen zu verstehen, dass unsere werktaegliche Arbeit eigentlich nur ein Instrument ist; und dass wir mit unserer Arbeit lediglich das Gefaess fuer den Segen G"TTES, welcher uns erhaelt, bereiten.
Resultat dieses Bewusstseins ist es, dass obwohl wir hart daran arbeiten, ein Gefaess fuer G"TTES Segen zu bereiten, diese Arbeit uns nicht verbraucht; unser Herz und unser Verstand bleiben mit dem Lernen von Thora, der Ausfuehrung von Mitzwoth, sowie dem Dienst an G"TT beschaeftigt.
Genau hierauf weist auch das Verbot, am Schabbat "in all euren Wohnstaetten" kein Feuer zu machen hin; was soviel bedeutet wie, dass jeder "physische Ort", an dem ein Mensch „wohnt", ohne "Feuer" - d. h. ohne (selbst-)konsumierende Leidenschaft - sein muss.
Wenn ein Mensch in dem Bewusstsein lebt, dass er letztlich durch G"TTES Segen allein seinen Lebensunterhalt bezieht, wird er nicht mehr von dem Bestreben nach materiellem Reichtum getrieben und davon konsumiert werden. Seine Faehigkeit hingegen, gemeinsam mit seinen Mitmenschen an einer "Wohnstaette G"TTES in dieser Welt" zu bauen, wird dafuer unermesslich gesteigert werden.
* basierend auf Sefer HaSichot 5749, Vol. I, S. 292-298






