28 Iyyar 5772 - Sonntag, 20. Mai 2012
Zum Andenken an unseren Vater David Yossi ben Abba. M. und S. Rubinstein.  (Widme diese Leiste deinen Nächsten)

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Yevgeniy_Korsunskyy

Geschrieben von Yevgeniy Korsunskyy, BWL-Diplomand an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hannover

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Es war ein sonniger Tag im Oktober 1991. An diesem Tag wurde ich im Rahmen der Zeremonie zum Andenken an den 50sten Jahrestag der Massenerschießung der jüdischen Bevölkerung meiner Geburtsstadt zum ersten Mal, sowohl mit dem Holocaust, als auch mit der Geschichte eines 10-Jährigen Jungen konfrontiert, der im Holocaust seine ganze Familie verlor, mehrere Selektionen und Durchsuchungen überstand, eine Erschießung überlebte und 45 Jahre später mein Großvater wurde. Ich kann mich noch an jedes Detail erinnern, als wäre es gestern gewesen. Tausende vielleicht Zehntausende von Menschen wickelten sich einen weißen Band mit dem blauen Davidstern um den Arm und trafen sich an dem Sammelplatz, wo sich die Juden vor 50 Jahren versammeln mussten. Dann gab es einen langen Marsch. Kilometer für Kilometer mühte sich diese Prozession ab, bis sie das Ziel erreichte, den Graben am Rande des Universitätsstadions, wo damals über 11 000 Juden binnen der 24 Stunden ihr Ende fanden. Es gibt kaum Augenzeugen und Überlebenden. Jeder weiß, was an diesem Ort geschah aber nur Wenige sehen sich befugt etwas darüber zu sagen. Plötzlich merke ich, dass alle meinen Großvater bzw. sein Gesicht aufmerksam und erwartungsvoll anschauen. Liegt es vielleicht an der Narbe, die sein ganzes Gesicht verzerrt, komisch ich habe davor nie verstanden, woher seine tiefe und lange Narbe stammte, die eine seiner Wangenhälften mit der anderen verbindet. Da keiner aus der Familie mir eindeutig die Geschichte dieser Narbe erklären wollte, habe ich intuitiv gespürt, dass sie in Verbindung mit irgendeinem furchtbaren Geheimnis steht, was vor einem 6-Jährigen verborgen werden sollte. Ich merke aber jetzt, dass die vielen Blicke diese Narbe zu interpretieren wissen. Sie ist für sie die leise Bestätigung dafür, dass mein Großvater, diesen Weg nicht zum ersten Mal macht, sie ist ein Beweis dafür, dass er vor 50 Jahren am Rande einer solchen Grube stand und das Geschehen danach überlebte. Mein Großvater nimmt mich an der Hand und geht nach vorne. Ich bin sehr nervös. Es ist ungewohnt für mich ganz vorne vor so vielen Menschen zu stehen, um die Aufregung loszuwerden, versuche ich mich abzuschalten, deswegen überhöre hier das Wesentliche an der Geschichte, die mein Opa allen erzählen möchte. Plötzlich nimmt er mich in seine Arme und ich merke und ich sehe all die Menschen, die ihre Köpfe gesenkt halten und ihre Tränen zu verstecken versuchen. Die Stimme meines Großvaters bebt: „Seht ihr, ich habe überlebt und das ist mein Enkelsohn. Er ist ein lebender Beweis dafür, dass ich überlebt habe, sein späteres Leben und das Leben seiner Kinder werden Existenz meiner Eltern und meiner Schwestern und des gesamten jüdischen Volkes fortsetzen!“

Mit kribbelndem Gefühl im Bauch assoziiere ich, dass sich geradeeben etwas Gewaltiges ereignet hat, was ich aber noch nicht ganz nachvollziehen kann. Als ich älter wurde, verstand ich, dass mein Großvater mich damals in den Bund der Überlebenden aufnahm, seitdem muss ich mit dieser großen Verantwortung leben und die jüdische Experience meiner Vorfahren an die späteren Generationen weiterzugeben. Erst nach vielen Jahren konnte ich realisieren, wie ich diese Herausforderung bewältigen und dieser Verantwortung gerecht werden könnte: Ich muss es meinem Großvater gleichtun und um jeden Preis mich mit meinem Judentum identifizieren können und mit meinem Beispiel anderen Leuten Kraft und Mut "Dank der Jewish Experience wurde ich überzeugt, dass es sehr wohl eine jüdische Lebenswelt in Deutschland gibt, auch wenn sie sich nur auf Frankfurt am Main beschränkt, eine Stadt, die nicht von den Konflikten zwischen den Aschkenasim und Sephardim, Einheimischen und Neuzugewanderten, Jungen und Alten, Religiösen und Säkularen zerrüttet ist.." zu geben, sich nicht vor ihrer Identität zu verstecken. Inzwischen in Deutschland angekommen und wollte ich zunächst durch das Selbststudium, die Jüdische Gemeinde meiner Stadt, Machanüoth der ZWST, Lauder Foundation und Bildungsseminare meine Wissenslücke im Judentum beseitigen. Da ich bemerkt habe, dass in der Jüdischen Gemeinde das Jugendzentrum die einzige Institution war, wo den nach der Identität umherirrenden Jugendlichen Hilfe geleistet wurde, sah ich mich in der Pflicht als Madrich und später als Rosch mich auf diesem Gebiet zu engagieren. Ich war festentschlossen den Jugendlichen etwas wiederzugeben, was ich selber damals so schmerzlich meiner Zeit vermissen ließ: das gegenseitige Verständnis und gegenseitige Unterstützung, Zusammengehörigkeitsgefühl, Stolz sein und Freude haben an der eigenen Religion, Geschichte und Kultur. Leider musste ich in den neun Jahren meiner aktiven Jugendzentrumstätigkeit erfahren, wie schwierig es sein kann, dieses selbstverständliche Ziel zu erreichen, wenn es in einer Stadt vier untereinander konkurrierende Gemeinden gibt, die alles andere als bereit sind zumindest ihre Jugend unter einer gemeinsamen jüdischen Agenda zu vereinigen. Meine Bestrebungen in diese Richtung mussten gegen die Grundhaltungen der Gemeindeverantwortlichen: „Konkurrenz belebt das Geschäft!“ oder „Die Zeit der Einheitsgemeinden ist abgelaufen!“ ankämpfen. Ich war verzweifelt, denn gerade aus der Thora und unseren Geschichte schöpfte ich den Glauben, dass das Zusammenhalt und Einheit, Offenheit und Füreinander, und nicht Konkurrenz und Feindschaft, Egoismus und Verschlossenheit das jüdische Volk in den schwierigen Zeiten ausgezeichneten. Im Endeffekt war ich zur Erkenntnis angelangt, dass es in Deutschland kein Ort gäbe, wo diese jüdischen Tugenden nicht ein Relikt aus der fernen Vergangenheit darstellen würden.

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junge_Leute Liebe Freunde, wir möchten darauf aufmerksam machen, dass wir bei der Teilnahme an den Lern- und Diskussionstreffen der Jewish Experience ab sofort wieder auf die Altersgrenze achten werden.

Wir wollen unmissverständlich klar machen, dass das Angebot der Jewish Experience auschließlich für Teilnehmer im Alter von 17 bis 40 bestimmt ist. Wir bitten um Ihr Verständnis!

Wir danken allen Teilnehmern, die zwar zu dieser Altersgruppe nicht mehr gehören, uns aber in der letzten Zeit treu begleitet und unterstützt haben.

Zugleich empfehlen wir all denjenigen, die an jüdischen bildenden Veranstaltungen in Frankfurt interessiert sind, das vielfältige Angebot der Jüdischen Volkshochschule und der jüdischen Gemeinde Frankfurt in Anspruch zu nehmen. Die Information über die Veranstaltungen der Volkshochschule finden Sie auf der Webseite der Jüdischen Gemeinde. Für russischsprachige weibliche Teilnehmer empfehlen wir zusätzlich den wöchentlichen Unterricht mit Frau Gila Gendlina in den Räumen des Seniorenclubs.

Wir bitten um Verständnis, dass Jewish Experience ein Treffpunkt für Abiturienten, Studenten und junge Erwachsene ist und ihren Bedürfnissen entsprechen soll. Dieser Tatsache wollen wir durch unser einzigartiges Konzept Rechnung tragen.

Viel Spaß beim Lernen und Schalom! Ihr J-Exp-Team! Für Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.

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Lana_rabinovych

( 3 Votes ) Mein Großvater, wenn er mir die wöchentlichen Abschnitte nahebringen wollte, pflegte zu behaupten, dass unser Leben von dem jeweiligen Abschnitt geprägt wird und, wenn man tief genug blickt, auch Antworten für die aktuellsten Fragen beinhaltet. Dank ihm habe ich gelernt, nach diesen Antworten zu suchen und ihre Bedeutung und Schönheit wertzuschätzen. Und mit der Zeit stellte sich für mich heraus, dass das jüdische Jahr mit all den Feiertagen uns immer wieder zeitgemäße Denkanstöße gibt. Und so ist Schawuot wohl die höchste Zeit, sich über den Platz, den die Thora in unserem Leben einnimmt, Gedanken zu machen.

Fast jeden Tag, wenn ich morgens in der überfüllten Bahn sitze, öffne ich mein Netbook um auf einer der zahlreichen Webseiten rund um Thora und Judentum einen positiven Gedanken für den Tag mitzunehmen. "Denn ob die Thora eine Bedeutung für jeden einzelnen hat, entscheidet sich für ihn in solchen inspirierenden kleinen Runden, wie die am Schawuot in den Räumen des Jugendzentrums und der Jüdischen Volkshochschule." Am vergangenen Dienstag war es etwas anders: ich öffnete eine Seite und mitten im Bildschirm erschien ein störendes Pop-up-Fenster: „Receive the Torah on Shavuot with us and get it then every week on a regular basis!“ Es mochte als eine pathetische Werbung gemeint sein und ging vermutlich um ein Newsletter, doch aus dem Kontext herausgerissen war dieser Satz in meinen Augen genau das, was man von Schawuot erwarten sollte und was viele, die an der Nacht des Lernens von Jewish Experience teilnehmen wollten, an den Erwartungen mitbrachten. Denn ob die Thora eine Bedeutung für jeden einzelnen hat, entscheidet sich für ihn in solchen inspirierenden kleinen Runden, wie die am Schawuot in den Räumen des Jugendzentrums und der Jüdischen Volkshochschule. Jeder brachte entweder das Wissen und die Bereitschaft diese zu teilen mit oder, umgekehrt, die Wissensgier, eine unglaubliche Energie oder eben die Kapazitäten und das Verlangen sie zu empfangen. Es schien als gäbe es niemanden, der nicht das bekommen oder geben konnte, wozu er bereit und gewillt war. Die Stimmungsmacher aus Efrat, Joni und Didi, die schon in vergangenen Monaten als eingespieltes Team die Frankfurter zum Lachen, Singen, Nachdenken, Lernen, Staunen und einfach nur Jüdischsein gebracht hatten, schufen eine warme und familiäre Atmosphäre.

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am_echad
( 1 Vote )

164 v.u.Z. haben einfache Juden einen militärischen Sieg über die mächtige griechische Armee errungen und konnten so in den entweihten Tempel zurückkehrten. Dort fanden sie nur einen Krug mit Öl, um den Menorahleuchter anzuzünden. Wundersamerweise brannte dieses Öl 8 Tage lang bis neues rituelles Öl hergestellt war.

Es ist möglich Chanukka als einen gewöhnlichen militärischen Sieg ansehen, doch wir gehen weiter und verstehen die wahre Bedeutung dieses Ereignisses. Chanukka offenbarte der Welt, dass die Stärke des jüdischen Volkes nicht in militärischer Überlegenheit liegt, sondern in der tiefen Überzeugung für Gerechtigkeit und Wahrheit in einer Welt des Materialismus und der externen Schönheit einzustehen.

Am Chanukka Fest veranstalten wir keine Militärparade, um uns an den glänzenden Sieg zu erinnern, sondern zünden Lichter, die uns an die Wunder erinnern, die G-tt damals unseren Vorvätern bescherte. Dieses Licht brennt in jedem von uns und wird von Generation zur Generation weitergereicht. Wir wollen alle Studenten und junge Erwachsenen dazu einladen, zusammen mit Jewish Experience mehr Faszination in den Alltag zu bringen, damit das Flickern der Chanukka Lichter nie aufhört. Bei vielfältigen Veranstaltungen hat jeder Gelegenheit, nette und motivierte junge Leute zu treffen und von hervorragenden Referenten aus der ganzen Welt Inspiration fürs Leben zu schöpfen.

Dank der Unterstützung des Jugendzentrums und des Rabinnats konnten wir in den letzten Monaten eine tolle Zeit verbringen.

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Prague_Astronomical_Clock

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Hallo ihr Lieben. Gestern (24. August) habe ich mir den Shiur von Benny Pollack im Rahmen der Vortragsreihe im Vorfeld der Hohen Feiertage über die Bedeutung der Rosch Haschana (des jüdischen Neujahrsfestes) angehört. Der Shiur hat mir zu Denken gegeben. Ich möchte eine interessante Idee mit euch teilen.

Benny begann mit einer Geschichte aus der Zeit, als er beim Wehrdienst in Israel in einer Fallschirmspringereinheit seinen Dienst absolvierte und bei einer Übung in der Wüste mit seinen Kameraden den Weg verlor. Da stieß seine Truppe auf Beduinen und fragte sie, wie lange man zur nächsten Ortschaft noch laufen müsste. Ein Beduine antwortete: „Es sind etwa drei Zigaretten“. Die verwunderten Rekruten fragten noch mal nach, wie lange es denn zeitlich dauern würde. Doch der Beduine wiederholte seine seltsame Antwort.

"Wo es keine Zeit gibt, da gibt es keine Vergangenheit, keine Zukunft und keine Gegenwart" - Benny Pollack
Die Soldaten verstanden schließlich, dass der Beduine damit meinte, dass man soviel Zeit noch zu laufen hat, wie viel man brauchen würde, um drei Zigaretten zu rauchen. Sie fragten nach, warum die Herrschaften die Reisezeit nicht etwas präziser auszudrücken wüssten. Erst dann bemerkten sie, dass die Beduinen keine Uhr trugen. Sie erklärten den jungen Männern, dass sie nach ihrer Philosophie außerhalb der Zeit leben, da in der Wüste die Zeit tot sei.

„Wo es keine Zeit gibt, da gibt es keine Vergangenheit, keine Zukunft und keine Gegenwart. Da gibt es auch keine Entwicklung.“ - schloss Benny die Geschichte ab. Im Judentum spiele die Zeit dagegen eine sehr große Rolle. Sie ist der wertvollste Schatz, der dem Menschen gegeben wurde. Jedem Menschen ist nur eine begrenzte Zeit beschert und er ist gehalten, diese sinnvoll zu nutzen. Der größte Feind eines Menschen ist deshalb die Routine, in welcher Tage unwiederbringlich verschwinden. Dieser Gedanke spiegelt sich in dem für alle Juden einheitlichen jüdischen Kalender wieder....

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