- G“tt gibt den Befehl, das Volk Israel zu zählen. Es gibt eine genaue Ordnung, wie jeder der 12 Stämme in der Wüste um den Mischkan herum wohnen soll. Jeder Stamm bekommt eine Flagge und so reisen sie auch von Ort zu Ort.
- Die Leviten werden eingeteilt und werden mit der Verantwortung für den Mischkan betraut. Jeder hat seine Arbeit, sei es bei der Aufstellung als auch beim Hüten des Mischkans.
„Konzept“ der Woche
In dieser Woche beginnen wir mit dem Buch Bamidbar, dem vierten Buch der Tora. Es wird das Buch der Zählungen genannt, weil die Nation sogar zweimal darin gezählt wird, um zu wissen, wie viele Menschen da waren. Warum wird jedoch das ganze Buch nach den Zählungen benannt?
Genauer betrachtet gibt es Unterschiede zwischen den beiden Zählungen. In diesem Wochenabschnitt befinden wir uns am Beginn des zweiten Jahres in der Wüste, wo die Nation stammweise gezählt wird. Es werden die Lagerplätze rund um den Mischkan festgelegt. Jeder Stamm hatte seine eigene Flagge.
Die zweite Zählung findet kurz vor dem Einzug nach Israel statt und es wurde nur noch nach Stamm gezählt, aber nicht mehr betrachtet, wo jeder um den Mischkan herum lagerte.
Rabbiner Naftali Tzvi Jehuda Berlin, der Netziv, der lange Zeit der Voloschin Jeschiwa als Rosch Jeschiwa vorstand, erklärt dazu, dass sich für uns in der Wüste das Leben rund um den Mischkan abspielte und der Mischkan im Mittelpunkt stand. G“tt war in unserer Mitte und Seine Gegenwart füllte alles an. Daher wurde die Zählung, die die Flaggen rund um das Stiftszelt anordnet, zu Beginn des Aufenthalts in der Wüste durchgeführt.
Kurz vor dem Einzug nach Israel wird es klar, dass der Alltag bevorsteht und man nicht mehr den Luxus besitzt, G“tt ständig in seiner Mitte zu haben. Wir müssen Ihn durch unser Leben offenbaren. Dabei zählt nur noch der Stamm, die Familie und jeder Einzelne.
Unsere Weisen schreiben im Talmud in Traktat Megilla, dass wir immer vor Schawuot den Wochenabschnitt Bechukotai lesen, der die Flüche aufführt, die uns drohen, wenn wir die Gesetze der Tora übertreten und uns gegen G“tt stellen. Eine Strafe wird der anderen folgen. Wir sollen es vor Schawuot lesen, damit wir das neue Jahr – denn Schawuot stellt auch den Anfang eines neuen Jahres dar, weil wir die Tora bekommen haben und somit einen Neubeginn haben – frei anfangen können. Wir wollen das alte Jahr mit dem Fluch beenden. Doch gibt es zwischen der Parascha mit den Flüchen und Schawuot immer den Wochenabschnitt „Bamidbar“. Wollen wir den Fluch nicht wirklich direkt vor dem Feiertag lesen und fügen lieber eine Unterbrechung ein oder ist es Absicht, dass wir genau diese Parascha lesen?
Mit dem Lesen allein verschwindet der Fluch sicher nicht. Man muss etwas dafür tun. Der Prozess ist ein Übergang: man muss es lesen, in sich aufnehmen, sich ein Bild davon machen und schließlich dieses neue Bild in die Tat umsetzen.
Das ganze Buch Bamidbar handelt vom Übergang vom Wüsten- zum Alltagsleben. Das war nicht leicht. Man musste sich vorbereiten und sich entwickeln. Das genau sollen wir aus diesem Wochenabschnitt lernen. Man muss sich Zeit nehmen, um sich der Strafe zu erinnern und zu überlegen, was man tun muss, um der Strafe zu entrinnen.
„Biographie“ der Woche
Rabbi Meir ben Baruch – Maharam von Rothenburg, Jahrzeit 19. Ijar
Rabbiner Meir ben Baruch wurde um das Jahr 1220 in Worms geboren. Er entstammte einer Familie von Toragelehrten und sein erster Lehrer war sein Vater Baruch. In seiner Jugend studierte er in Würzburg und Mainz an den Jeschiwot der führenden Talmudlehrer seiner Zeit. Danach lernte er weiter in Paris, vor allem bei Rabbiner Jechiel ben Joseph, der als bedeutender Toragelehrter den Talmud vor König Ludwig IX. von Frankreich verteidigte. Rabbiner Meir wurde 1242 Augenzeuge der öffentlichen Talmudverbrennung von Paris, wo 24 Wagenladungen (10 000 bis 12 000 Bände) des Talmuds zerstört wurden. Er schrieb das Trauerlied „Scha’ali Serufa“ darüber, das bis heute an Tischa BeAw zitiert wird.
Er verbrachte anschließend mehr als 40 Jahre in Rothenburg ob der Tauber, wo er eine Jeschiwa gründete, die Schüler aus ganz Europa anzog, unter anderen Ascher ben Jechiel, den „Rosch“. Sein umfassendes Wissen machte ihn zu einer namhaften Autorität, der viele halachische Fragen angetragen wurden. Etwa 1500 seiner Responsen sind bis heute erhalten, die auch ein Licht auf das jüdische Leben jener Zeit werfen. Er war einer der Tosafisten, der mittelalterlichen Kommentatoren der Gemara.
1286 beschloss er, mit seiner Familie aufgrund der neuerlichen antisemitischen Gesetzgebung nach Palästina auszuwandern. Er wurde auf dem Weg allerdings denunziert und in der elsässischen Festung Ensisheim von Kaiser Rudolf I. gefangen gehalten. Sein Schüler Ascher ben Jechiel verhandelte erfolgreich seine Freilassung, aber der Maharam weigerte sich für diese hohe Lösegeldsumme freizukommen, um keinen Präzedenzfall zu schaffen. Er starb 1293 in Gefangenschaft und sein Körper wurde erst nach Zahlung eines sehr hohen Lösegelds 14 Jahre später freigegeben und auf dem jüdischen Friedhof zu Worms bestattet.Mit freundlicher Unterstützung von HaMakor.de und Rabinner Aron Orzel






