1 Sivan 5772 - Dienstag, 22. Mai 2012
Zum Andenken an unseren Vater David Yossi ben Abba. M. und S. Rubinstein.  (Widme diese Leiste deinen Nächsten)
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Die Parascha in Kürze
  • Die Einwohner Moaws haben Angst vor der Vertreibung durch die Juden. Sie Überreden Bilam einen Fluch auf Am Israel zu legen. Doch statt Fluchen kommen nur Segensspruche aus seinem Mund.
  • Moaws Tochter bringen die Juden zur Unzucht. Sogar einer der Fürsten Israels begeht diese Sunde und wird durch Pinchas, Arons Enkel, getötet. Es kommt zu einer großen Pest, die vielen Juden das Leben kostet.

„Dwar“ der Woche

Es gelingt Bilam nicht, das jüdische Volk zu verfluchen. Stattdessen segnet er es und prophezeit die Zukunft der Nation. Er sieht die Vorzuge des jüdischen Volkes, seinen Einzug nach Israel und die Liebe G“ttes, die uns immer zuteil wird. Er geht soweit, sich zu wünschen „möge meine Seele den Tod der Gerechten sterben und möge mein Ende sein wie ihres.“ (23:10)

Unsere Weisen erklären, dass mit dem Wunsch einerseits gemeint ist, die kommende Welt erleben zu wollen. Andererseits beinhaltet er aber auch das Versprechen, dass jeder Mensch vor seinem Tod die Möglichkeit hat, Teschuwa zu tun und auf den richtigen Weg zurückzukehren. Bilam wusste also, dass es eine kommende Welt gibt und verstand, dass der Lohn nach dem Tod entsprechend den Taten zu Lebzeiten sein wurde. Weiterhin erkannte Bilam, dass er zwar nicht in der Lage war, Balaks Wunsch zu entsprechen und das jüdische Volk zu verfluchen. Aber er hoffte, den Bnej Israel auf andere Weise schaden zu können, indem er Balak riet, jüdische Männer durch moabitsche und midianitische Frauen verfuhren zu lassen. Er rechnete sich aus, dass dadurch nicht nur Unmoral unter das jüdische Volk gebracht wurde, sondern die Männer sich auch vor Götzen niederwerfen wurden, was G“tt sicher bestrafen wurde. So geschah es auch, wie wir am Ende dieser Parascha lesen können. Wie konnte ein Mensch, der gerade noch die Vorzuge unseres Glaubens erkannt hatte, dazu bereit sein, uns größte Herausforderungen in den Weg zu legen? In Pirkej Avot, den Sprüchen der Väter (5:8) werden zehn Dinge genannt, die G“tt in der Dämmerung vor dem ersten Schabbat erschaffen hat. Darunter wird auch die Fähigkeit zu sprechen erwähnt, die Bilams Esel an den Tag legte. Da es nicht der Natur der Tiere entspricht zu sprechen, musste diese Fahrigkeit dem Esel eigens von G“tt gegeben werden. Aber warum gehörte sie zu den zehn Dingen, die vor Schabbat erschaffen wurden? Der Ramban erklärt, dass G“tt in sechs Tagen die Welt schuf, in der die Natur nach gewissen Regeln ablauft. Wir sind daran gewohnt, die Regeln befolgt zu sehen und erkennen meistens nicht, dass es sich beim natürlichen Ablauf der Dinge auch um Wunder der Natur handelt, die G“tt geschaffen hat. Die Wunder, die auch uns klar als Wunder ersichtlich sind, schuf G“tt kurz vor dem ersten Schabbat und dadurch, dass wir den Schabbat halten, bezeugen wir unseren Glauben, dass G“tt das ganze Universum, inklusive übernatürlicher Phänomene, erschaffen hat. Der Schabbat ist die Bestätigung der Schöpfung inklusive der zehn Wunder, an dem wir alles auf G“tt zurück beziehen. Bilam begriff allerdings nicht, als er den Esel sprechen horte, dass es der Glaube ist, den G“tt von uns will. Er hatte einen kurzen Augenblick der Erkenntnis, aber konnte seine Einsichten nicht auf sein Leben anwenden. Er wusste von der kommenden Welt, aber entwickelte nicht seinen Glauben an G“tt. Gleich darauf jedoch versuchte er, das jüdische Volk vom Glauben abzubringen, was bezeugte, dass er innerlich der uberhebliche Bösewicht geblieben war.

„Maisse“ der Woche

Vor etwa 2000 Jahren verboten die Römer den Juden sich mit Toralernen zu beschäftigen. Ein gewisser Papus ben Jehuda beobachtete, wie Rabbi Akiwa weiterhin öffentlich Tora lehrte. Er sagte zu ihm: „Rabbi! Furchtest du denn den Zorns des Kaisers nicht?“ „Papus“, antwortete Rabbi Akiwa, „Menschen halten dich für einen klugen Mann, du selbst aber urteilst nicht besser als ein Tor. Hör zu, ich werde dir eine Maisse erzahlen: ‚Es ging einmal ein Fuchs am Flussufer entlang und sah dort, wie Fische besorgt hin und her schwammen. Er fragte: ‚Fischchen, vor wem lauft ihr weg?’ ‚Wir retten uns’, antworteten sie, ‚vor den Netzen, die in den Fluss geworfen sind, um uns zu fangen.’ ‚So geht ihr besser zur Küste herauf’, riet der Fuchs, ‚wir werden friedlich zusammenleben wie einst meine und eure Vorfahren.’ Da antworteten die Fische: ‚Über dich, Fuchs, sagt man, dass du der Klügste aller Tiere bist, doch du urteilst nicht besser als ein Tor. Sieh doch: wenn es schon im Fluss so gefährlich ist, in dem wir zu leben bestimmt sind, wie können wir dann auf das Festland hinausgehen, wo der sichere Tod auf uns wartet?“ Genauso werde ich dir, Papus, antworten: auch wenn wir jetzt beim Torastudium, worin unser Leben und Bestehen liegt, um unser Leben bangen müssen, was wurde mit uns passieren, wenn wir selbst auf unsere Heilige Tora verzichten wurden?“ (nach Brachot 61b)

„Konzept“ der Woche

Alle Einwohner Israels furchten sich vor dem bevorstehenden Einzug der Juden nach Israel. Die Moabiter beschließen, sich an Bilam, einen Propheten, zu wenden, der die Juden verfluchen soll. Bilam, bekommt Zeichen von G“tt, nicht darauf einzugehen, doch er besteht solange darauf, bis G“tt ihn mitgehen lasst. G“tt sagt ihm, dass er nur das sagen kann, was ihm G“tt in den Mund legen wird.

Bilam geht und ist bereit, die Juden zu verfluchen. Verschiedene Hindernisse auf dem Weg lassen ihn nicht von seinem Vorhaben zurückschrecken. Er versteht nicht, dass er trotz der Erlaubnis G“ttes seine Entscheidung revidieren soll. Manchmal verstehen wir nicht, was wirklich zu uns gesagt wird. Bilam hatte entscheiden sollen, NICHT mitzugehen, doch er wollte seine Ohren nicht offnen! Er versuchte alles Mögliche zu tun, um die ersehnte Erlaubnis zu bekommen, ohne den eigentlichen Willen G“ttes zu verstehen. Daraus können wir für unser Leben lernen, dass manchmal G“ttes Botschaft klarer ist als wir denken. Man kann sehen, was wirklich das Richtige ist zu tun.

Mit freundlicher Unterstützung von HaMakor.de und Rabinner Aron Orzel

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