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Grußwort
Allen unseren Lesern und Leserinnen wünschen wir ein wunderschönes Chanuka-Fest im Kreise Ihrer Familie. Wir hoffen, dass wir Ihnen weiterhin den Schabbat mit interessanten The-men über den Wochenabschnitt verschönen können. Es würde uns sehr freuen, Feedback – inklusive Kritik – von Ihnen zu erhalten.
- Josef deutet Pharaos Träume: in Ägypten wird es sieben erfolgreiche Jahre geben, danach aber sieben schlechte Jahre eine lange Hungersnot
- Josef bereitet als Finanzminister das Land auf die schlechten Jahre vor
- Auch die Söhne Jakows reisen wegen der Hungersnot nach Ägypten, erkennen aber ihren Bruder Josef nicht
- Josef versucht sie dazu zu zwingen, ihren jüngsten Bruder Binjamin nach Ägypten zu bringen, was Jakow ablehnt
- Durch die Verschlimmerung der Hungersnot muss Jakow sein Einverständnis geben und sie bringen Binjamin mit
- Josef, der sich immer noch nicht zu erkennen gibt, arrangiert es, dass Binjamin bei ihm bleiben muss
„Konzept“ der Woche
Interessanterweise fallen die Wochenabschnitte, die von Josef handeln, immer in die Chanukazeit. Es ist anzunehmen, dass es eine Verbindung zwischen beiden gibt. Josef wird oft als Traumdeuter gesehen, der die Träume unterschiedlicher Menschen richtig interpretiert hat. Was bedeutet es in geistiger Hinsicht, diese Fähigkeit zu haben?
Wenn jemand träumt, sieht er oft ein Bild der Zukunft. Manchmal gibt es sogar Hinweise, was zu tun ist. Oft ist aber ein Traum so rätselhaft, dass man einen Mann wie Josef braucht, um seine Bedeutung zu verstehen. Wir kennen nicht den Grund, warum sich G―tt nicht dem Träumenden klar mitteilt, sondern in einer verschlüsselten Form. Josef besaß jedoch die Fähigkeit, aus etwas Undeutlichem das Klare hervorzubringen. Warum hat gerade er diese Fähigkeit erhalten?
Zu Josefs Lebzeiten begann das Exil und er hat die Vorbereitungen dafür getroffen, wie man sich im Exil einrichten muss. Am Anfang konnte man sich noch gut im Exil zurechtfinden und sich ein gutes Leben aufbauen, aber man war eben nicht zu Hause. Was macht denn das Exil aus? Was ist denn so schlimm daran, in einem fremden Land zu leben und eine neue, andere Kultur kennenzulernen? Ist die Gefahr des Einflusses von außen so groß, dass man sich in einem fremden Land nie zuhause fühlen darf? Wie weit darf man gehen im Kennenlernen der Kultur des Landes? Um diese Fragen zu beantworten, muss man die Conditio sine qua non eines Juden kennen: man muss wissen, was es bedeutet Jude zu sein. Man muss sich im Klaren darüber sein, was die jüdische Basis ist, die von jeglichem Einfluss unberührt bleiben muss. Der Unterschied zwischen Assimilation und dem Aufbau eines Lebens im fremden Land ist minimal. Die Grenze verwischt sich leicht und plötzlich ist man verloren. Josef hatte die Stärke, selbst als erfolgreicher Mann in Ägypten genau zu wissen, was er als Jude tun musste.
Ein Beispiel dafür ist, dass er seine Söhne beschnitten hat. Mit der Brit Mila geben wir einem kleinen Kind ein Vermächtnis, dass er ein „Jid― ist. Kritiker bemerken, dass eine Brit Mila dem Kind Schmerzen zufügt, aber in Wirklichkeit bildet sie die Basis eines jüdischen Menschen für einen Weg, von dem es kein Zurück gibt. Es ist nicht nur ein Gebot, sondern etwas Positives, das prägt. Josef hat auch als Vizekönig verstanden, dass man sich nicht assimilieren darf.
Als die Griechen zur Zeit des Chanukawunders in Eretz Israel herrschten, war es eines ihrer ersten Edikte, die Brit Mila zu verbieten. Sie begriffen genau, dass sie ihre Ideologie und Philosophie nur erfolgreich bei den Juden umsetzen konnten, wenn sie die jüdischen Grundlagen beseitigten. Ihre neuen Ansichten konnten nur Gehör finden, wenn Tabula rasa gemacht und so jeder frei und aufgeschlossen ihnen gegenüber sein würde.
Die Makkabäer haben sich gegen die Griechen gestellt, weil sie ein klares Zeichen setzen wollten, dass an den Grundlagen unseres Glaubens nichts geändert werden darf. Im Exil muss man sich sicherlich im jeweiligen Land zurechtfinden. Aber man muss auch dort erst den Grundstein eines jüdischen Lebens gelegt haben. Dies hat uns Josef vorgelebt, weil er immer ein klares Bild vor Augen hatte, wer er war und wohin er gehörte.
„Biographie“ der Woche
Rabbi Jair Chajim Bacharach, Jahrzeit 1. Tewet
Rabbi Jair Chajim Bacharach war einer der großen deutschen Talmudgelehrten. Er wurde 1638 in Leipnik (Mähren) geboren und zog mit seinen Eltern 1650 nach Worms. Mit 23 Jahren erhielt er das Rabbinerdiplom (Semicha) vom Frankfurter Rabbiner. Drei Jahre lang wirkte er als Rabbiner in Koblenz. Danach hatte er lange Jahre keine offizielle Funktion und wurde erst drei Jahre vor seinem Tode (1699) zum Rabbiner von Worms berufen.
In den Jahren 1688-1697 tobte in Europa der sog. „Neunjährige Krieg" zwischen Frankreich (Ludwig XIV.) und einer europäischen Koalition. 1689 wurde die Stadt Worms durch die Franzosen niedergebrannt, die jüdische Gemeinde löste sich auf und erst nach dem Krieg sammelten sich die Juden wieder. Rabbi Bacharach verschlug es in den Kriegsjahren nach Metz, Frankfurt und Heidelberg und wurde danach der geistige Führer des Wiederaufbaus von Worms.
Bekannt ist er in erster Linie durch sein Responsen-Werk „Chawot Jair", nach dem er auch benannt wird. Ein weiteres wichtiges Werk sind seine Erklä-rungen zum Schulchan Aruch unter dem Namen „Mekor Chajim". Dieses Werk hat eine interessante Geschichte: nach der Fertigstellung musste Rabbi Bacharach zur Kenntnis nehmen, dass zwei andere Gelehrte („Magen Awraham" und „Tas") ihm mit ihren Erklärungen zuvorgekommen waren. Er wollte deshalb sein eigenes Werk nicht drucken, bevor er sich nicht mit den anderen auseinandergesetzt hatte. Nur per Zufall wurde das Werk wiederentdeckt und im Jahre 1982 gedruckt. Rabbi Bacharach war nicht nur im Talmud bewandert. Er beschäftigte sich unter anderem mit Mathematik, Astronomie, Geschichte, Musik und auch mit Poesie.
Mit freundlicher Unterstützung von HaMakor.de und Rabinner Aron Orzel






