1 Sivan 5772 - Dienstag, 22. Mai 2012
Zum Andenken an unseren Vater David Yossi ben Abba. M. und S. Rubinstein.  (Widme diese Leiste deinen Nächsten)
Die Parascha in Kürze
  • Das Gebot den Mischkan, den Vorläufer des Tempels, in der Wüste zu errichten: ein Platz um Opfer darzubringen
  • Der Mischkan sollte verschiedene Gerāte beherbergen, die dafür gefertigt werden mussten, darunter die heilige Bundeslade, die zur Aufbewahrung der Gesetzestafeln diente, ein Tisch, auf den die Schaubrote gelegt wurden, sowie die Menora, die täglich zu zünden war
  • Der Bau musste aus speziellem Zedernholz getätigt und mit verschiedenen Stoffen bedeckt werden
  • Ein Altar sollte im Vorhof des Mischkans errichtet werden

„Dwar“ der Woche

Sieht man die Ereignisse in der Torah als chronologisch aufeinander folgend an, so befiehlt G“tt den Mischkan, das Stiftszelt, zu bauen, bevor die Sünde des Goldenen Kalbs geschieht. Nicht alle unsere Weisen teilen diese Ansicht. Raschi schreibt allerdings ausdrücklich, dass G“tt nach dieser Sünde droht, sich zu entfernen und das Volk daher einen Ort braucht, um G“ttes Nähe zu erleben. „Sie sollen mir ein Heiligtum schaffen und dann werde ich unter ihnen wohnen.“(25:8). Raschi bemerkt, dass hier eine Pluralform benutzt wird und nicht „und ich werde dort wohnen“, wenn es doch darum geht, dass G“tt im Mischkan und dem darauf folgenden Tempel wohnen wird. Obwohl der Tempel gebaut wurde, hat jeder Mensch die Möglichkeit, das Sein G“ttes in seinem eigenen Herzen zu empfinden.

Von oben betrachtet sieht man die Symbolik des Tempelaufbaus viel besser. Vorn in der Mitte befindet sich die Bundeslade und steht für den Kopf des Menschen. Der Tisch und die Menora, die jeweils rechts und links stehen, symbolisieren die Hände des Menschen. Der Mensch lebt am Tisch, verrichtet seine Arbeit und nimmt sein Essen ein. Die Menora mit dem darin befindlichen Feuer steht für das Begehren jedes Menschen, trotz seiner Arbeit und Wünsche spirituell höher aufzusteigen. Schließlich kommt man zum Altar, zu dem eine Rampe führt, die man hinaufgeht, was den menschlichen Füßen entspricht. Denn ohne Füße wird man wenig erreichen können. Nur wer vorwärts geht, kann am Ende wirklich ein höheres Ziel erreichen.

Dies ist nur eine der Ideen, die mit dem Tempel verbunden werden. Dahinter steckt, dass der Mensch einen Ort hat, an dem er sich ein Beispiel nehmen kann und der ihm zeigt, wo seine Lebensaufgabe liegt. Es genügt also nicht, nur den Tempel als Ort zu haben, wo man sich immer an G“tt wenden kann. Die Arbeit des Lebens bleibt immer beim Menschen. Obwohl wir heutzutage keinen Tempel mehr haben, kann sich ein Mensch durch seine persönliche Entwicklung heiligen und so G“tt näher kommen.


„Maisse“ der Woche

Ein Sehender und ein Blinder waren einmal unterwegs. Da sagte der Sehende zu dem Blinden: „Wenn wir gleich ins Haus hineingehen, wirst du eine Kerze anzünden und mir leuchten." „Habe Gnade, mein Freund!“, erwiderte der Blinde. „Als wir unterwegs waren, warst du die einzige Unterstützung für mich. Du hast mir den Weg gezeigt, bis wir zum Haus gekommen sind. Jetzt sagst du mir, dem Blinden, dass ich dir leuchten soll!" „Ich sagte es deswegen“, antwortete der Sehende, „damit du dich nicht schlecht fühlst, dass du oft von der Hilfe Anderer abhängig bist. Ich wollte, dass du spürst, dass auch du helfen kannst.“

„Konzept“ der Woche

Einer der Gegenstände, die für den Mischkan angefertigt wurden, war der Tisch. Er war aus purem Gold und wurde für die Brote benutzt, die jede Woche gebacken wurden. Doch außer dem Tisch wurden auch verschiedene Instrumente hergestellt, die die Frische der Brote die ganze Woche über erhalten sollten, da sie erst am Schabbat gegessen wurden. Eigentlich ist Brot nach einer Woche nicht mehr frisch. Es wird im Talmud erwähnt, dass es ein Wunder war, dass das Brot trotz seines Alters noch frisch war und sogar einen warmen Geruch hatte. Warum war es dann überhaupt nötig, den Tisch so zu bauen, dass das Brot frisch gehalten wurde, wenn ohnehin ein Wunder geschah, das es frisch hielt? Hieraus lernen wir etwas sehr Wichtiges für unser Leben. Obwohl G“tt uns ein Wunder verspricht, müssen wir unseren Anteil leisten. Sicher war die Tatsache, dass das Brot warm blieb, ein Wunder G“ttes. Die Bnej Jisrael haben aber alles ihnen Mögliche dazu beigetragen. Genau so ist es auch in unserem Alltag. Wir müssen trotz unseres G“ttvertrauens alle Anstrengungen unternehmen. Erst dann ist es erlaubt, sich der Hoffnung hinzugeben.

Mit freundlicher Unterstützung von HaMakor.de und Rabinner Aron Orzel

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