1 Sivan 5772 - Dienstag, 22. Mai 2012
Zum Andenken an unseren Vater David Yossi ben Abba. M. und S. Rubinstein.  (Widme diese Leiste deinen Nächsten)
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Die Parascha in Kürze
  • Mosche fleht und betet zu G“tt um die Erlaubnis, doch noch nach Israel mitgehen zu dürfen
  • Obwohl die Strafe bestehen bleibt, zeigt ihm G“tt das Land - vom Berg Moaw aus
  • Erinnerung daran, die 613 Gebote zu halten, keines wegzulassen und keines hinzuzufügen
  • Erinnerung an den Ablauf der Übergabe der Tora: G“tt hat sich in Seiner ganzen Stärke gezeigt, um uns an das Verbot des Götzendienstes zu erinnern
  • Die Strafe für das Nichteinhalten der Tora wird erklärt: Exil
  • Mosche legt Zufluchtsstädte in Transjordanien für Totschläger fest
  • Die Zehn Gebote werden wiederholt
  • Das Schema-Gebet
  • Verbot, sich nach dem Einzug in Israel von den Kanaanitern beeinflussen zu lassen

„Dwar“ der Woche

Dewarim 4:44: „dies ist die Lehre, die Mosche den Kindern Israels vorlegte.“

Wir sagen diesen Vers mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Zufriedenheit beim Gebet, beim Ausheben der Tora, vor der Toralesung. Man könnte denken, dass dieser Vers auf die schönen Gesetze der Tora hinweist, wie zum Beispiel das Ehren von Vater und Mutter oder das Spenden an Bedürftige: Gesetze also, die uns auch mit Stolz und Zufriedenheit erfüllen. Dies ist aber nicht der Fall.

In Wahrheit steht dieser Vers nämlich gerade nach dem Gesetz über die Fluchtstädte. Menschen, die verurteilt wurden, weil sie aus Fahrlässigkeit einen anderen Menschen getötet hatten, müssen (und dürfen) in diese so genannten Fluchtstädte fliehen und dort bleiben bis der Hohepriester stirbt, sonst haben die Verwandten der fahrlässig getöteten Person das Recht, den Verurteilten ebenfalls zu töten. Weshalb stehen diese Worte „und dies ist die Lehre […]“, welche eigentlich die Essenz unseres Lebens verkörpern, ausgerechnet neben einem Gesetz, das sich auf einen so entsetzlichen Tiefpunkt im Leben bezieht? Raw Mordechai Kamenetzky antwortet, dass uns die Tora damit eine wichtige Botschaft senden will, nämlich, dass die Tora das jüdische Volk durch jeden Aspekt des Lebens begleitet und führt, auch durch die Tiefpunkte. Die Tora ist für alle Juden die Leitlinie und sie befasst sich mit jedem Menschen, sogar mit jemandem, der aus Fahrlässigkeit einen Mitmenschen getötet hat. Die Tora spricht uns als ganze Gesellschaft an, vom Dieb bis zum Hohepriester, und sie verschliesst sich nicht den Schwächen der Gesellschaft, sondern setzt sich mit jedem Einzelnen nach dessen Fähigkeiten und Taten auseinander und steht ihm bei.

„Maisse“ der Woche

Rabbi Chaim aus Zans sagte: Als ich jung war, wollte ich die ganze Welt retten. Dann bin ich Rabbiner geworden und hoffte, wenigstens die ganze Stadt retten zu können. Später wurde ich Rebbe und hoffte meine Schüler zu retten. Heute nennt man mich Zadik, und ich denke: „Vielleicht gelingt es, mich selbst zu retten?“

„Konzept“ der Woche

Der erste Teil des Schma-Gebets ist Teil unserer Parascha. Das Schma ist so bedeutend und wichtig, dass es selbst nichtpraktizierenden Juden bekannt ist. Wir wollen versuchen, diesen Teil des Schma mit einer tieferen Erklärung zu versehen.

Unsere Weisen schreiben im Talmud (Chulin 91b): „Wir Juden sind eine Stufe höher als die Engel, denn sie müssen drei Worte der Einführung sagen, bevor sie G“ttes Namen erwähnen, nämlich ‚Heilig, heilig, heilig ist Hashem, der Herr der Heerscharen, erfüllt ist die ganze Erde von Seiner Herrlichkeit‘. Wir aber müssen nur zwei Worte vor G“ttes Namen sagen: ‚Schma Jisrael – Höre Israel.‘“ Die Engel sagen jeden Tag dreimal das Wort „heilig“ zu Beginn ihres Gesanges. Sie drücken dadurch die Größe G“ttes auf der Erde, im Himmel und für alle Ewigkeit aus. Wir aber sagen nur zwei Worte – Höre Israel. Worin besteht der Unterschied zwischen uns und den Engeln? Welche Bedeutung haben diese Worte für uns?

Die Engel müssen große Erkenntnis besitzen, um den Namen G“ttes aussprechen zu können. Warum reichen uns zwei Worte? Der höchste Weg der Erkenntnis G“ttes ist über das jüdische Volk. Die Offenbarung G“ttes geschah durch die jüdische Nation. Seine Wunder und Seine Wege führten durch uns. Jeder, der diese Nähe zu G“tt erreichen will, muss Teil des Volkes werden.

Als die Juden in den Krieg zogen, sprach der oberste Befehlshaber zu ihnen (Dewarim 20:3-4): „Höre Israel, ihr tretet jetzt hin zum Kampf gegen eure Feinde: nicht werde zag euer Herz, fürchtet euch nicht und seid nicht bestürzt und zittert nicht vor ihnen. Denn Hashem, Euer G“tt, ist es, der mit euch geht, für euch zu streiten mit euren Feinden, euch beizustehen.“ Unsere Weisen erklären im Talmud, dass die Einführung „Höre Israel“ ein Zeichen dafür ist, dass wir wegen dieses Gebetes, das wir jeden Tag sprechen, den Krieg gewinnen werden.

Jeder weiß, dass das Schma-Gebet die Anerkennung G“ttes als einziger G“tt ist und wir ihm folgen sollen. Doch der Beginn dieser schwersten Arbeit sind diese beiden Worte! Zuerst muss man sehen, wo man diese G“ttlichkeit finden kann. Und es reicht eines aus: Hört, WAS Israel ist! Das ganze Sein der Nation, das dadurch erreicht wird, kann unseren Glauben und das Wissen um die g“ttliche Vorsehung so weiter stärken, dass wir danach das Joch G“ttes, das wir beim Sagen  des Schma-Gebetes auf uns nehmen, wirklich annehmen.

Mit freundlicher Unterstützung von HaMakor.de und Rabinner Aron Orzel

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