Paraschat Zaw - Schabbat HaGadol

Die Gesetze (Halachot) von dem Seder Abend
Es gibt es drei wichtige Mitzwot am Sederabend:
  • Das Essen der Matza (man sollte  mindestens soviel essen, wie der Größe einer Olive entspricht - ungefähr eine halbe Matza)
  • Das Essen des Maror (das scharfe Gemüse)
  • Zur Zeit des Tempels – das Pessachopfer
Wir trinken beim Lesen der Haggada auch vier Becher Wein. Diese sind zum Gedenken an die vier Aussprüche, mit denen uns G“tt versprochen hat, uns aus Ägypten zu erlösen. Es muss kein Wein sein, man kann auch Traubensaft trinken (damit man das Lesen der Haggada nicht verschlāft).
Nachdem wir uns an den Auszug erinnert haben, kommt die Zeit, uns dafür zu bedanken. Daher sagen und singen wir das Loblied (Hallel –Gebet).  
Da dieser Tag Lejl-Schimurim (Tag, an dem wir von G“tt gehütet werden) ist, lassen wir das Schma am Bett aus, das wir jede Nacht sagen, um uns zu schützen. Wir können uns mit frischem Glauben ruhig schlafen legen, den wir an diesem Abend erhalten haben.

„Dwar“ der Woche

Als ich am Schabbes mit einigen kleinen Kindern spazieren ging und sie nicht mehr weiter wollten, fiel  mir ein, ihnen eine spannende Geschichte zu erzählen. Sie waren so davon fasziniert, dass sie gar nicht bemerkten, wie sie weitergingen. Die Kraft einer Geschichte kann so stark sein, dass man gar nichts anderes mehr tun kann und will, als sie zu Ende zu hören.
Es ist eine Mitzwa, an Pessach die Geschichte des Auszuges aus Ägypten zu erzählen. Ist die Geschichte denn so interessant und kennt man sie vielleicht noch nicht? Haben wir denn seit dem vergangenen Jahr alles vergessen?
„Das Volk erhob seinen Teig, bevor er gor, ihre Tröge in ihre Gewänder gebunden auf ihrer Schulter.“(Schmot 12:34) Dieser Vers erklärt uns, wie die Juden das Brot beim Auszug mitgenommen haben. Doch die Grammatik in diesem Vers ist seltsam, denn er beginnt im Singular und endet im Plural. Jeder hat sein Brot genommen, aber dann wird es zum Plural? Als die Juden plötzlich Ägypten verlassen mussten, packte jeder seine Sachen. Mosche hatte ihnen gesagt, dass sie den Brotteig mitnehmen sollten und er nicht aufgehen werde. Jeder hat also dasselbe Wunder erlebt und deswegen steht es im Plural. Doch das Erleben und Verstehen dieses Wunders war eine individuelle Erfahrung.
„In jeder Generation soll sich jeder so betrachten, als sei er selbst aus Ägypten ausgezogen“ lesen wir in der Haggada. Kann man das erreichen? Waren wir wirklich dort? Jeder Mensch macht sich von jedem Ereignis einen ersten Eindruck. Wie wird er festgelegt? Kann man ihn ändern? Ein Erlebnis, das einen großen Eindruck gemacht hat, bereitet dem Verstand eine Basis für das grundsätzlich Wichtige im Leben. Jedes weitere Ereignis wird mit diesem Maßstab gemessen. Unser erster Eindruck im Leben soll mit dem Glauben an G“tt zusammenhängen. Wir sehen, dass Er alles leitet und Er nur das Beste für uns will. Wie kann man das erreichen?

Genau daher muss man zurückgehen und sich auf den Tag besinnen, wo wir mit eigenen Augen gesehen haben, dass G“tt nur das Beste getan hat und Wunder vollbracht hat, die wir zuvor nie erlebt hatten. Wir wussten damals, dass Er uns als Volk ausgesucht hat und uns mit einer speziellen Liebe beschützt. Diese Wahrnehmung gab uns damals den „ersten Eindruck“, mit dem wir alles Folgende beurteilen sollten. Am Sederabend wollen wir uns so zurückversetzen, dass wir den Auszug aus Ägypten als eigenes Erlebnis spüren können. Dies ist nur möglich, wenn wir in der Haggada eine Geschichte sehen, die uns selbst passiert ist, und so faszinierend und ereignisreich wird.

 

„Midrasch“ der Woche

Als Rabbi Nachman einmal aus dem Fenster blickte, sah er einen seiner Anhänger, einen gewissen Chajkel. Jener schien sich zu beeilen. Er rief ihn und lud ihn zu sich nach Hause ein.
„Sag mal, Chajkel“, fragte er, „Hast du den Himmel heute schon gesehen?“
„Nein, Rabbi.“
„Und die Straße, Chajkel, die Straße hast du heute früh schon gesehen?“
„Ja, Rabbi.“
„Erzähl mir, was du gesehen hast!“
„Also, … die Menschen … die Pferde … die Wagen … die Kutschen … die Händler — sie fuchteln mit den Händen herum. Es lärmen und zanken sich die Bauern. Die Männer, die  Weiber laufen hin und her … Das ich sah.“ „Chajkel, Chajkel“, schüttelte Rabbi Nachman den Kopf, „in fünfzig Jahren und auch in hundert Jahren wird es hier eine ähnliche Straße geben. Und einen Markt, der diesem ähnelt. Andere Kutschen werden andere Kaufleute fahren und sie werden mit anderen Pferden handeln. Aber weder mich noch dich wird es geben. Ich frage dich, Chajkel, welchen Nutzen hat deine Lauferei, wenn du keine Zeit hast, den Himmel anzublicken?“

Mit freundlicher Unterstützung von HaMakor.de und Rabinner Aron Orzel