2 Sivan 5772 - Wednesday, 23 May 2012
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Der Sa'adia Gaon schreibt, dass Netzavim und Vayelech tatsaechlich eine zusammengehoerige Parascha bilden und nur in Ausnahmejahren in zwei Wochenabschnitte getrennt werden - ganz im Unterschied zu anderen zweifachen Wochenabschnitten, die in der Regel zwei voellig eigene Parschioth bilden und nur im Ausnahmefall zusammen gelesen werden. Doch selbst wenn Vayelech getrennt von Netzavim gelesen wird, koennen wir immer noch eine Lehre aus dem gesamten Abschnitt Netzavim-Vayelech herausziehen.

Auf den ersten Blick scheinen die Begriffe Netzavim und Vayelech nicht miteinander vereinbare Gegensaetze zu sein. Netzavim bedeutet soviel wie "stramm bzw. aufrecht stehend" (ganz so wie ein Pfeiler), waehrend Vayelech mit "und er ging" uebersetzt werden kann. Was ist also die Lehre, die wir der Kombination dieser offenbaren Wiedersprueche entnehmen koennen?

 

Stramm und aufrecht zu stehen, bedeutet bzw. repraesentiert Stabilitaet, Zuverlaessigkeit und Staerke. Ein Koenig beispielsweise sitzt fest auf seinem Thron; wer ihn sehen moechte, muss sich von weitem her zu ihm begeben. Gehen bzw. Bewegung bedeutet hingegen Wachstum und Fortschritt. Daher repraesentiert die Kombination aus "aufrecht stehen" und "gehen", die Faehigkeit zu wachsen und sich weiter zu entwickeln, ohne dabei seine urspruengliche Stabilitaet und Staerke in Frage zu stellen bzw. zu gefaehrden.

Wenn beispielsweise eine Person in ihrem Wissen in der Thora waechst, besteht oft die Gefahr, dass diese Person durch den intellektuellen Reiz, ihren urspruenglich "einfachen" aber felsenfesten Glauben einbuesst. Die Lehre der Parascha Netzavim-Vayelech ist es hingegen, dass jede Person ihre urspruengliche Staerke, verankert in einem "einfachen" Glauben, unter allen Umstaenden bewahren muss, auch und gerade wenn der eigene Verstand einem einen "Streich" spielt.  Von dieser Basis aus ist ein sicheres Wachstum in der Thora erst moeglich.

* basierend auf Likutei Sichot Vol. 19
Schabbat Schalom!

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