Am Rosch Chodesch Schwat verbrachten wir einen faszinierenden Schabbat mit Rabbiner Zsolt und Marina Balla aus Berlin. Zsolt ist einer der zwei jungen Rabbiner, die im vergangenen Sommer als Absolvent des Berliner Rabbinerseminars zu ersten orthodoxen Rabbinern im Nachkriegsdeutschland ordiniert wurden. Er ist auch ein begabter Musiker, der mit seiner wunderschönen Stimme diesem Schabbaton einen besonderen Klang verlieh. An zwei Tagen kamen über 80 Studenten und junge Erwachsene bei diesem inspirierenden Event zusammen. Bereits zum zweiten Mal begann der Abend mit einem Kabbalat Schabbat im Karlebach Stil mit wunderschönen Melodien. Die Schabbat-Seuda wurde mit vielen Liedern und inspirierenden Geschichten gefüllt. Bei dem anschließenden Programm über die Spuren von Moschiach in unserer Zeit ging es um die zahlreichen Vorstellungen in den jüdischen Quellen über die messianische Zeit und darum, wie sich viele von den beschriebenen Zeichen in der heutigen finanziellen Situation, den politischen Ereignissen und der gesellschaftlichen Entwicklung im Allgemeinen erkennen lassen. Kaum zu Glauben, dass die Hypotheken-Krise und die Machtsucht der modernen Politiker, die aus Opportunitätsgründen nicht mehr um ihre Ideale, sondern nur um ihre Stellung kämpfen usw. bereits vor mehr als 2000 Jahren beschrieben wurden... Am nächsten Tag ging es nach der leckeren Mahlzeit in einer warmen Atmosphäre um das ewige Thema: Mann und Frau. Mit zahlreichen humorvollen, jedoch sehr wahrhaftigen Beispielen zeigte Zsolt, wie der moderne Trend, den Mann und die Frau als gleiche Wesen zu betrachten, die essentiellen Unterschiede der Geschlechter missachtet, die ihnen zu eigen sind. ...Die Frau will mit ihrem Mann, der gerade müde von der Arbeit zurückgekehrt ist, über ein Problem reden, weil es ihre Art ist, Sachen auszusprechen und so in ihre Gefühle Klarheit zu bringen - der Mann möchte dagegen seine Ruhe haben und weigert sich, an einer Diskussion teilzunehmen. Sie ist beleidigt. Er erholt sich und kommt auf sie zu, um über das Problem zu sprechen, doch Sie bestraft ihn für die kürzliche Unachtsamkeit paradoxerweise mit Schweigen, welches ein Mann so gerne genießt. Eine recht unwirksame Bestrafung für jemanden, der gerade gerne eine Konversation vermeiden würde... Mit diesem und vielen anderen Beispielen versuchte Zsolt den Weg aufzuzeigen, dass es trotz allen Gegensätzen in der weiblichen und männlichen Natur möglich ist, dass zwei verschiedene Personen das Zusammenleben meistern und miteinander genießen können, wenn sie die jeweiligen Unterschiede wahrzunehmen und zu respektieren lernen. Es war eine sehr unterhaltsame Stunde, bei der abwächselnd je nach Thema mal Jungs mal die Damen verständnisvoll schmunzelten und die definitiv eine Menge Spaß bereitete. Die Seuda Schlischit mit traditionellen Liedern krönte die faszinierende Geschichte über einen Mann, der bereit war 25 Mio Dollar - Erbe aufzugeben, nur um seinen Vater nach dem jüdischen Brauch begraben zu dürfen. Diese Geschichte ließ jeden darüber nachdenken, was für jeden einzelnen von uns unsere Identität und unsere Tradition wert sind... Viel zu schnell beendete die Havdalah dieses wunderschöne Erlebnis.
Danke der Familie Balla für dieses unvergessliche Erlebnis!






