2 Sivan 5772 - Wednesday, 23 May 2012
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Prague_Astronomical_Clock

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Hallo ihr Lieben. Gestern (24. August) habe ich mir den Shiur von Benny Pollack im Rahmen der Vortragsreihe im Vorfeld der Hohen Feiertage über die Bedeutung der Rosch Haschana (des jüdischen Neujahrsfestes) angehört. Der Shiur hat mir zu Denken gegeben. Ich möchte eine interessante Idee mit euch teilen.

Benny begann mit einer Geschichte aus der Zeit, als er beim Wehrdienst in Israel in einer Fallschirmspringereinheit seinen Dienst absolvierte und bei einer Übung in der Wüste mit seinen Kameraden den Weg verlor. Da stieß seine Truppe auf Beduinen und fragte sie, wie lange man zur nächsten Ortschaft noch laufen müsste. Ein Beduine antwortete: „Es sind etwa drei Zigaretten“. Die verwunderten Rekruten fragten noch mal nach, wie lange es denn zeitlich dauern würde. Doch der Beduine wiederholte seine seltsame Antwort.

"Wo es keine Zeit gibt, da gibt es keine Vergangenheit, keine Zukunft und keine Gegenwart" - Benny Pollack
Die Soldaten verstanden schließlich, dass der Beduine damit meinte, dass man soviel Zeit noch zu laufen hat, wie viel man brauchen würde, um drei Zigaretten zu rauchen. Sie fragten nach, warum die Herrschaften die Reisezeit nicht etwas präziser auszudrücken wüssten. Erst dann bemerkten sie, dass die Beduinen keine Uhr trugen. Sie erklärten den jungen Männern, dass sie nach ihrer Philosophie außerhalb der Zeit leben, da in der Wüste die Zeit tot sei.

„Wo es keine Zeit gibt, da gibt es keine Vergangenheit, keine Zukunft und keine Gegenwart. Da gibt es auch keine Entwicklung.“ - schloss Benny die Geschichte ab. Im Judentum spiele die Zeit dagegen eine sehr große Rolle. Sie ist der wertvollste Schatz, der dem Menschen gegeben wurde. Jedem Menschen ist nur eine begrenzte Zeit beschert und er ist gehalten, diese sinnvoll zu nutzen. Der größte Feind eines Menschen ist deshalb die Routine, in welcher Tage unwiederbringlich verschwinden. Dieser Gedanke spiegelt sich in dem für alle Juden einheitlichen jüdischen Kalender wieder....

Die jüdischen Feste bringen uns zum Nachdenken, motivieren uns, bewusst und geistig zu leben. Um die Zeit geht es bei Rosch Haschana. Das jüdische Neujahrsfest ist mit der Silvesterfeier nicht zu vergleichen. Am Yom Teruah (Tag der Possaunentöne) wie Rosch Haschana auch genannt wird, geht es nicht um den Beginn eines neuen Jahres im technischen Sinne. Laut der Torah, welche die Monatszählung im Nissan beginnt, ist der Monat Tischrei, der siebte Monat und ist nur eines der vier Neujahrsfeste, die es im jüdischen Kalender gibt. Rosch Haschana ist der Tag des Gerichts, an dem der liebe G-tt darüber entscheidet, ob ein Mensch noch mehr Zeit in seinem Leben bekommt, ob er also eine weitere Chance erhält, sein Leben sinnvoll zu verbringen oder nicht. Mit den jüdischen Gebeten sagen wir an diesem Tag, dass wir zurückblickend unter der Vergangenheit, in der wir uns ungerecht verhalten haben, einen Strich setzen und bereit sind, ein neues Kapitel anzufangen.

Doch der liebe G-tt fragt uns entgegen: „Ich soll Dir mehr Lebenszeit bescheren? Und wofür wirst Du diese Zeit einsetzen? Was willst Du in diesem neuen Kapitel schreiben?“

Schana Tova veMetuka, Polina

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