2 Sivan 5772 - Wednesday, 23 May 2012
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Die Parascha in Kürze
In dieser Woche, wegen der großen Fülle an Mitzwot in der Parascha, bringen wir eine Zusammenfassung an Stelle der Stichpunkte. Der erste Teil der Parascha beschäftigt sich hauptsächlich mit zwischenmenschlichen Geboten. Es geht dabei darum, dass man den Knecht bzw. die Magd richtig zu behandeln hat, Schadensersatz für jegliche Beschädigung leisten muss, auch darum, dass man die eigenen Tiere hüten soll, so dass sie keinen Schaden anrichten oder jemanden versehentlich verletzen. Alles dreht sich um das richtige Benehmen, damit das soziale Leben richtig funktioniert und sich jeder wohl fühlt. Auch geht es um verlorene Gegenstände, die zurückgegeben werden sollen, sowie um Geldverleih ohne Zinsen. Sogar bei der Pfandleihe soll man sich so verhalten, dass der Schuldner sich nicht als Armer fühlt. Der zweite Teil der Parascha beschäftigt sich mit der Vollendung der Geschichte – der Übergabe der Tora. Obwohl die Juden sich bereiterklärt haben, die Tora anzunehmen, müssen sie noch einen Bund schließen, der sie an dieses Versprechen wirklich bindet und die Verantwortung auf sie überträgt. Dieser Bund wurde durch Opfer, Reinigung und Beschneidung vollendet.

„Konzept“ der Woche

Am Ende der letzten Parascha haben wir die Tora be-kommen und die Zehn Gebote gehört. In diesem Wo-chenabschnitt lesen wir als Erstes von einem jüdischen Knecht. Es gibt zwei Möglichkeiten, für einen jüdischen Mann, zum Knecht zu werden. Entweder ist er so arm, dass er sich selbst verkaufen muss oder er wird vom Gericht als Knecht verkauft, nachdem er als Dieb zum Schadensersatz verurteilt wurde und den Schaden nicht bezahlen kann. Die Tora spricht hier nur vom zweiten Fall und sagt uns, wie wir einen zur Knechtschaft verurteilten Dieb behandeln sollen. Mutet es nicht seltsam an, dass nach der Großartigkeit der Übergabe der Tora und den danach erwähnten Gesetzen zum Tempel jetzt von Dieben und Schadenersatz gesprochen wird?

Im Judentum unterscheiden wir nicht zwischen religiö-sem Leben wie Gebet und Tempeldienst auf der einen Seite und alltäglichen, profanen Dingen auf der anderen Seite. Alles, wirklich alles, ist im Leben eines jüdischen Menschen mit G―ttlichkeit durchwirkt. Heiligkeit ist über-all vorhanden – in geschäftlichen Angelegenheiten eben-so wie in rituellen Handlungen – weil G―tt überall ist. Unsere Weisen lehren uns, dass jemand, der wirklich fromm sein möchte, alle zivilrechtlichen Vorgaben der Tora genauso einhalten muss wie alles andere, das ihm auf Anhieb als religiöse Anforderung eingängig ist. Denn „das Konzept des Tempels― ist sowohl im Gerichtssaal wie in der Synagoge zu finden. Das höchste Gericht zu Zeiten des Bejt Hamikdasch, des Tempels in Jerusalem, war der Sanhedrin und er befand sich auf dem Tempel-berg, nahe dem Tempel, denn beide sind ein Ausdruck von Heiligkeit und G―ttesdienst. Ein Richter, der korrekt urteilt, ist ein Partner G―ttes in der Schöpfung, während ein korrupter Richter G―ttes Welt zerstört. Die Verbin-dung zwischen dem Ende der vorigen Parascha und der jetzigen ist somit ganz deutlich: es ist ein Ausdruck von G―ttes Größe wie im Ersten Gebot, in dem wir Seine Existenz und Seine Hoheit anerkennen und preisen, im-mer und überall.

Unsere Parascha beginnt mit den Gesetzen über den leibeigenen jüdischen Knecht. Es handelt sich hier um einen Dieb, der vom Gericht, das ihn des Diebstahls überführt und verurteilt hat, verkauft wird, weil er den Wert des Gestohlenen nicht zurückzahlen kann. Als Knecht muss er für seinen Herrn so lange arbeiten, bis er das Geld verdient hat, das er ersetzen muss, oder bis das Schmittajahr beginnt – was auch immer zuerst ge-schieht. Hier sehen wir den sozialen Aspekt unserer Ge-setze. Denn der Knecht muss zwar für seinen Herrn ar-beiten, aber seine Familie – seine Frau und Kinder – müssen auch von seinem Herrn versorgt werden, denn sie haben ja jetzt sonst kein Auskommen mehr. Der Herr muss seinen Knecht gut behandeln und ihm durch sein vorbildliches Verhalten den Weg zeigen, wie er nach sei-ner Freilassung leben soll. Bei seiner Freilassung wird er von seinem Herrn mit Geschenken entlassen, damit er die Chance für einen wirklichen Neuanfang hat. G―tt will einen Dieb also nicht in einer Weise strafen, wie wir es kennen, indem der Missetäter weggesperrt wird und von ihm auch keine Widergutmachung verlangt wird. Nein, dieser Mensch soll rehabilitiert werden und ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft werden, was ihm hoffentlich durch das Vorleben jüdischer Werte durch seinen Herrn gelingen wird. Jeder Mensch wurde im Ebenbild G―ttes erschaffen und die Tora nimmt seine Vervollkommnung ebenso wichtig wie die Beschreibung des Tempeldienstes an Jom Kippur.

„Biographie“ der Woche

Rabbi David HaLevi Segal – der Tas Jahrzeit 26. Schwat

Rabbi David HaLevi Segal wurde 1586 in Wolhynien, das damals zum Staat Polen-Litauen gehörte, geboren. Er ent-stammt einer Gelehrtenfamilie und seine früh erkennbare intellektuelle Begabung wurde vor allem von seinem älte-ren Halbbruder Yitzchak gefördert. Er heiratete eine Tochter des Bach (Rabbiner Joel Sirkis, Autor des „Bajit Chadasch―), den er später in seinen Werken oft zitieren würde, und verbrachte die ersten Jahre seiner Ehe im Hau-se seines Schwiegervaters mit dem Studium von Tora und Talmud.

Nach einigen Jahren nahm er Positionen als Rabbiner in verschiedenen kleinen Städten Polens an, die ihm und seiner Familie einen kargen Lebensunterhalt bescherten. Sein Ruf als Gelehrter eilte ihm jedoch voraus und im Jahre 1641 wurde er Rabbiner in Ostrog, einer Stadt in Wolhynien, in der viele jüdische Gelehrte wohnten und wo er ein erheblich besseres Auskommen hatte. Er gründete dort eine Jeschiwa und schrieb seinen Kommentar zu den bei-den ersten Teilen des Schulchan Aruch (Orach Chaim und Joreh Deah), der unter dem Namen „Turej Sahaw― heraus-gegeben wurde. Die Anfangsbuchstaben dieses Werks bil-den den Namen Tas, unter dem er auch bekannt ist.

Der Tas floh 1648 vor den Chmielnicki-Pogromen nach Mähren, kehrte aber so bald wie möglich nach Polen zurück und ließ sich in Lemberg nieder. Dort wurde er zunächst Vorsitzender des Beit Din und schließlich 1653 Oberrabbi-ner von Lemberg. Er starb 1667 in Lemberg.
Seine Autorität in halachischen Fragen wurde auf allen Ebenen anerkannt und bald wurde sein Kommentar neben den Text des Schulchan Aruch gedruckt. Bis heute gehört er zu den fundamental wichtigen Kommentatoren, die stu-diert werden. Obwohl der Tas der Autor vieler nichthalachi-scher Schriften war – darunter ein Kommentar zu Raschi – die allerdings nicht alle veröffentlicht wurden, ist er vor allem als herausragende Autorität in halachischen Fragen berühmt und zählt zu unseren sehr großen Talmudgelehrten. 

Mit freundlicher Unterstützung von HaMakor.de und Rabinner Aron Orzel

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