( 4 Votes )
- Jehuda tritt für Binjamin ein, da er nicht ohne ihn zurück zu seinem Vater Jakow kommen darf
- Josef offenbart seinen Brüdern, dass er der vermisste Bruder ist und es G―ttes Plan gewesen sei, wie alles gekommen ist, da nun offensichtlich ist, wie alles sich zum Guten gewendet hat und er seine Familie in der Hungersnot versorgen kann
- Die Brüder reisen zurück nach Israel um Jakow zu berichten, dass Josef lebt und alle nun nach Ägypten gehen sollen
- Jakow wird mit der ganzen Familie dort von Josef empfangen
- Die Brüder besiedeln Goschen in Ägypten und hüten Herden
„Konzept“ der Woche
Josef will seinen jüngsten Bruder Binjamin bei sich in Ägypten behalten. Binjamin wird beschuldigt, den Becher des Vizekönigs gestohlen zu haben und soll zur Strafe als Knecht für immer dort bleiben. Den Brüdern ist es klar, dass sie nicht mit dieser Kunde vor ihren Vater Jakow treten können. Daher ergreift Jehuda das Wort und setzt sich gegen die Festnahme seines Bruders ein. Er erzählt Josef die Ereignisse, die dazu geführt haben, Binjamin mitbringen zu müssen. Er fügt hinzu, dass Binjamin ein Waise sei und sein Vater nicht noch den Verlust eines weiteren Sohnes ertragen könne. Schließlich stellt er sich als Knecht anstelle des Bruders zur Verfügung, damit jemand für den Diebstahl büßt.
Wenn wir uns diesen Dialog zwischen den beiden Brüdern ansehen, der damit endet, dass sich Josef als ihr Bruder zu erkennen gibt, stellt sich folgende Frage: bei Binjamin ist der gestohlene Becher gefunden worden und die Brüder können diese Tatsache nicht bestreiten. Warum spricht Jehuda mit dem Vizekönig nicht über Strafe und Wiedergutmachung, sondern stellt seine Argumentation auf eine gefühlsmäßige Ebene? Ist es der passende Weg, den Vizekönig zu überreden, indem man davon spricht, dass Binjamin eine Waise ist und dem Vater schon so viel Leid in seinem Leben widerfahren ist? Wollte er dessen Erbarmen wecken?
In der vorigen Parascha haben wir gelesen, dass die Brüder nach Ägypten zurückkehren mussten, um Essen zu kaufen und Jakow ihnen ein Geschenk für den Vizekönig mitgegeben hatte. Dabei sagte er ihnen (43:14): „Möge G―tt mit euch Erbarmen haben vor dem Mann, dass er euren anderen Bruder und Binjamin wieder fortlasse.― Das zeigt, dass Jakow die Brüder auf zweierlei Weise vorbereitet hat – erst mit etwas Praktischem, dem Geschenk an den Vizekönig, um dessen Wohlgefallen zu erringen. Aber das noch Wichtigere ist das Gebet zu G―tt, ER möge bei dem Unterfangen helfen. Die Kombination von Materiellem mit Geistigem ist der Beweis, dass man es mit einem großen Menschen zu tun hat, wofür Jakow ein wunderbares Beispiel ist. Schon als er seinem Bruder Esaw nach langen Jahren wiederbegegnen sollte, hatte er sich auf verschiedene Weise darauf vorbereitet. Er schickte ihm Geschenke, rüstete zum Krieg und betete.
Der Talmud fragt im Traktat Nidda 70a, was ein Mensch tun kann, um Erfolg beim Lernen zu haben. Genügt es, wenn er sich hinsetzt und fortwährend lernt? Unsere Weisen antworten, dass das Gebet für Erfolg beim Lernen unabdingbar ist. „Das Eine ist ohne das Andere wertlos―, lautet die Schlussfolgerung.
Unsere Parascha beginnt mit den Worten „Wajigasch Jehuda"― Jehuda stellte sich Josef vor. Unsere Weisen deuten uns im Midrasch darauf hin, dass diese Aussprache eine Bedeutung von Tefilla – beten hat. Wo sehen wir hier ein Gebet? Jehuda hat mit Josef argumentiert, aber doch nicht gebetet.
Die Grundidee eines Gebetes ist die Erkenntnis, dass G―tt für alles, das mir widerfährt, einen guten Grund hat. Nicht immer sieht man selbst den Sinn hinter Geschehnissen, aber diese Erkenntnis gibt einem Menschen Stärke in seinem Glauben, dass wirklich alles von G―tt kommt und G―tt sicher das Gebet hören wird.
Als Jehuda sich an Josef wandte, wollte er kein Mitleid erregen, sondern diese Erkenntnis bewirken. Er hatte eingesehen, dass Dinge nicht so ablaufen, wie ein Mensch vermuten würde. Er sprach sich bei Josef aus – dem Mann, der seiner Familie vermeintlich gerade großes Leid zufügen wollte – und festgestellt, dass etwas nicht stimmen konnte. Sein Vater Jakow hatte schon einen Sohn verloren und dieses neue Ereignis sollte etwas lehren. Es kann doch nicht verlangt sein, meinte Jehuda, dass Binjamin in Ägypten bleiben muss, denn das würde zu viel für den Vater sein. „Lass mich seine Stelle einnehmen!―, bietet Jehuda an. Jetzt sehen wir den Dialog anders: er war ein Bekenntnis von Taten. Das ist die Basis des Gebetes, das Jehuda führte. Es war keine Schmeichelei oder eine Bitte um Erbarmen.
Dies kann man als wunderbare Lehre für das Leben annehmen. Erkenntnis allein bringt manchmal die Nähe zu G―tt, die wir im Gebet suchen.
„Biographie“ der Woche
Rabbi Mosche Margalit, Jahrzeit 12. Tewet
Das Studium des Talmuds ist recht schwierig, aber es wird erleichtert durch Raschis (Rabbi Schlomo Jitzchaki, 1040-1105) fortlaufende, meist kurze Anmerkungen. Dies gilt jedoch nur für den babylonischen Talmud; für den „Talmud Jeruschalmi", die Gemara der Gelehrten des Landes Israel, bestand lange Zeit keine auch nur annähernd äquivalente Studierhilfe. So wurde das Studium des Talmud Jeruschalmi meistens vernachlässigt.
Dies änderte sich erst im 18. Jahrhundert. Einer der Wegbereiter war Rabbi Mosche Margalit, der Erklärungen im Stile Raschis (genannt „Pne Mosche") und ausführliche Diskussionen im Stile von Tosafot (genannt „Mare Panim") zum gesamten Talmud Jeruschalmi verfasste.
Rabbi Mosche stammte aus Kaidan (Litauen). Sein genaues Geburtsjahr ist nicht bekannt und wird für die Jahre zwischen 1710 und 1720 angenommen. Er bekleidete einige Positionen als Rabbiner und war zudem ständig auf der Suche nach Manuskripten, um daraus die richtigen Lesarten herausfiltern zu können. Auf den Reisen durch Europa konnte er 1755 in Amsterdam und 1770 in Livorno zwei Ordnungen des Talmud Jeruschalmi drucken lassen – die weiteren wurden erst nach seinem Tode veröffentlicht.
Noch im hohen Alter besuchte er Vorlesungen über Botanik an der Universität in Frankfurt an der Oder. Sie sollten ihm helfen, komplexe halachische Agrar-Fragen zu verstehen und zu lösen. Im Jahre 1781 starb er in Brody.
Mit freundlicher Unterstützung von HaMakor.de und Rabinner Aron Orzel






