Wo sich die Kundschafter irrten?
Im Chassidismus [s. Likutei Thora, zu Beginn von Parschat Schelach] wird die Suende der Kundschafter dahin gehend erklaert, dass jene viel lieber in der Wueste Sinai bleiben wollten, anstatt ins Heilige Land Israel zu ziehen, weil sie sich nicht mit weltlichen Dingen herumplagen wollten. In der Wueste waren sie naemlich von allen irdischen Sorgen befreit. Den Menschen wurden alle ihre materiellen Beduerfnisse in wundersamer Weise, sozusagen wie von selbst, erfuellt - sogar ihre Kleidung ist mit ihnen mitgewachsen, wie unsere Weisen s.A. es berichten [s. Jalkut Schimoni, Raschi's Kommentar zu Dewarim 8:4, "eure Kleider zerschlissen nicht"].
Das Juedische Volk wusste, dass wenn es erst einmal in Eretz Israel angekommen waere, wuerde das Manna nicht mehr vom Himmel kommen sowie die Wasserquelle Miriams sie nicht mehr begleiten. Stattdessen wuerden sie ihr Auskommen durch "das Brot der Erde", fuer welches sie hart arbeiten muessten, haben.
Aus diesem Grund klagten die Kundschafter ueber Eretz Israel; "es sei ein Land, das seine Einwohner verschlingt." [Bamidbar 13:32].
Dieser Satz war indes genau gewaehlt. Wenn Nahrung gegessen wird, wird diese zum Teil der Person, die sie isst. In gleicher Weise, so argumentieren die Kundschafter, werden die Juden, sollten sie ins Land Israel kommen, vom Land vereinnahmt und selbst zum irdischen Teil dieses Landes [Kaleb and Jehoschua benutzten uebrigens denselben Begriff "unser Brot" - in Bamidbar 14:9 - um jenes Konzept zu vermitteln]. Dies wuerde, nach Ansicht der Kundschafter, eine drastische Abkehr von ihrer gewohnten Lebensweise in der Wueste darstellen, in welcher sie sich nur mit spirituellen Dingen befassen mussten. Und in der Tat, selbst das Essen, welches das Juedische Volk in der Wueste ass - das Manna - veredelte ihr Wesen; es bereitete sie darauf vor, die Thora aufzunehmen - wie unsere Weisen s.A. es ausdruecken [s. Mechilta, Schemot 16:4; Jalkut Schimoni zu dem Vers]: "Die Thora wurde ausschliesslich denen gegeben, die das Manna assen."
Aber dem G"ttlichen Schoepfungswillen entspricht es letztlich, eine G"ttliche Wohnstatte in der physischen Welt zu schaffen [s. Midrasch Tanchuma, Paraschat Bechukotai, Abschnitt 3; Tanya, Kapitel 33 und 36]. Dies erfordert aber, dass die Dimensionen physischer Existenz auch als Gefaess fuer G"ttlichkeit dienen. Dementsprechend befanden sich die Kundschafter im Irrtum; denn der eigentliche Zweck ihrer Reise durch die Wueste war es letztlich, in das Heilige Land zu kommen, um dort eine "irdische Wohnstaette" fuer G"TT zu schaffen. Die Reise durch die Wueste war lediglich eine Vorbereitungsphase hierfuer. [Das Wesen des Juedischen G"ttesdienstes in Eretz Israel beinhaltet gerade die Ausuebung von Mitzwoth (die zum Teil nur in Eretz Israel ausfuehrbar sind) - dabei alles Irdische im Geiste von "erkenne IHN in allen Deinen Wegen" (s. Mischle 3:6) verwendend. In der Wueste hingegen konzentrierte sich das Juedische Volk auf die Thora selbst. In diesem Sinne ist auch der Ausdruck zu verstehen, dass "die Bedeutung des Thorastudiums darin liegt, dass es letztlich zu (guten) Taten fuehrt", s. Traktat Kiduschin 40b].
Schabbat Schalom!
* basierend auf Sichot Schabbat Parshat Schelach 5722.






