2 Sivan 5772 - Wednesday, 23 May 2012
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In der siebenten Aliyah des Thora-Wochenabschnitts Schofetim heisst es: "...ki ha'adam etz ha'sadeh" - "....denn der Mensch ist ein Baum des Feldes" [Dewarim 20:19].

Die primaeren Komponenten eines Baumes sind: Die Wurzeln, die den Baum auf dem Boden verankern und ihn mit Wasser und anderen Naehrstoffen versorgen; Stamm, Aeste und Blaetter, die den Koerper des Baumes bilden, und die Frucht, die die Saat enthaelt, mit welcher sich der Baum fortpflanzt.

Auch zum spirituellen Leben des Menschen gehoeren Wurzeln, ein Koerper, sowie Fruechte. Die Wurzeln repraesentieren dabei unseren Glauben, unsere Quelle von Kraft und Ausdauer. Unser Stamm, unsere Aeste und Blaetter sind der Koerper unseres geistigen Lebens - unsere intellektuellen, emotionalen und praktischen Leistungen. Unsere Frucht ist die Faehigkeit zur geistigen Zeugung - die Macht, andere zu beeinflussen und in unseren Mitmenschen eine Saat zu setzen, die waechst und Fruechte traegt.

Wurzeln und Koerper

Die Wurzeln sind der unscheinbarste Teil eines Baumes, gleichzeitig aber der wichtigste. Sie sind im Erdboden begraben und fuer uns groesstenteils unsichtbar, sie besitzen weder die Maechtigkeit des Baumkoerpers, noch die Farbpracht seiner Blaetter oder den Geschmack seiner Fruechte; aber ohne seine Wurzeln kann der Baum nicht ueberleben.

Darueber hinaus muessen die Wurzeln mit dem Koerper Schritt halten: Wuerden der Stamm, die Zweige sowie die Blaetter wachsen, ohne dass die Wurzeln nicht in entsprechender Weise mitwachsen, koennte der Baum sein Gewicht nicht mehr tragen und braeche zusammen. Eine Fuelle an Wurzeln hingegen sorgt fuer einen gesuenderen, kraeftigeren Baum, selbst wenn der Stamm und die Aeste duenn sind, und die Blaetter und Fruechte mager ausfallen. Und wenn die Wurzeln gesund sind, wird sich der gesamte Baum wieder verjuengen und kraeftigen.

Der Glaube ist die am wenigsten glamouroese unserer geistigen Faehigkeiten. Er ist gekennzeichnet durch schlichte Ueberzeugung sowie durch absolute Hingabe seinem Ursprung gegenueber. Es fehlen ihm die Raffinesse des Intellekts, die leuchtenden Farben der Gefuehlswelt, sowie die emotionale Befriedigung, die von Taten herruehrt. Und der Glaube liegt ebenso wie Wurzeln unter der Erde begraben, sein wahres Ausmass ist vor anderen und sogar vor uns selbst verborgen.

Unser Glaube, unsere ueberrationale Hingabe zu G"TT, ist somit die Grundlage unseres "ganzen Baumes". Aus ihm erwaechst der Stamm unseres Verstehens, sowie die Aeste unserer Gefuehle, Motivationen und Taten. Auch wenn der Koerper unseres Baumes bereits einen Teil spiritueller Nahrung bietet, beziehen wir jedoch den Grossteil unserer geistigen Nahrung aus unseren Wurzeln, d. h. aus unserem Glauben an sowie unserer Hingabe zu unseren Schoepfer.

Eine Seele kann zu einem majestaetischen Stamm heranwachsen, zahlreiche und weit ausladende Aeste entwickeln, sowie schoene Blaetter und ueppige Fruechte tragen. Aber ihre Wurzeln muessen ihr mindestens ebenbuertig sein, ja sie sogar noch ueberragen. An der Oberflaeche kann es viel Weisheit, Gefuehlstiefe, reichlich Erfahrung, grosse Leistungen sowie viele Schueler geben - wenn aber all dies nicht geerdet, und von einem noch groesseren Glauben sowie einer noch groesseren Hingabe zu G"TT getragen ist, bleibt es ein Baum ohne Fundament, der dazu verdammt ist, unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrechen.

Andererseits mag ein Leben mit nur spaerlichem Wissen, wenig Gefuehl und Erfahrung, sowie mageren Leistungen beziehungsweise Fruechten gesegnet sein - wenn aber die Wurzeln umfangreich und tief sind, ist der Baum grundsaetzlich gesund. Er besitzt alles, was noetigt ist, um sich von den Rueckschlaegen des Lebens zu erholen. Ein Baum mit diesem Potenzial, wird sich schliesslich und zu einem hohen, schoenen und reichlich Fruechte tragenden Baum entwickeln.

Fruechte und Saat

Ein Baum hat den Wunsch sich zu vermehren und seine Saat weithin zu verbreiten, so dass sie Wurzeln in vielen und weit entfernten Orten schlagen kann. Allerdings ist die Reichweite der Saat des Baumes, zunaechst auf die Laenge seiner Aeste beschraenkt. Er sucht daher  nach anderen, mobilen Kurieren, die seine Saat weiter transportieren koennen.

Daher produziert der Baum Fruechte, in denen seine Saat von leckeren, bunten und duftenden Fasern und Saeften umhuellt ist. Die Saat selber wuerde kaum das Interesse von Mensch und Tier wecken; aber durch ihre attraktive Verpackung gibt es kaum einen Mangel an Kunden, die nach dem Verzehr der auesseren Frucht, die Saat schliesslich an weiter entfernten Stellen hinterlassen - dort, wo der Baum sie letztlich auch pflanzen will.

Wenn wir mit anderen kommunizieren, setzen wir viele Hilfsmittel ein, um unsere Botschaft attraktiv zu gestalten: Wir unterfuettern sie mit geistiger Raffinesse, tunken sie in emotionales Dressing, kleiden sie in bunte Worte und Bilder. Aber wir muessen dabei bedenken, dass dies nur die Verpackung ist - so wie die Frucht, die die Saat umhuellt. Die Saat selbst ist im wesentlichen geschmacksneutral - der einzige Weg, dass wir wirklich andere beeinflussen koennen, ist durch die Vermittlung unseres einfachen, grundlegenden Glaubens an sowie unserer bedingungslosen Hingabe zu G"TT.

Ist jenes Saatgut erst einmal in den Koepfen und Herzen angelangt, wird es dort auch Wurzeln schlagen. Ohne Saat jedoch gibt es keine Nachkommenschaft, egal wie schmackhaft die Fruechte auch sein moegen

* basierend auf den Lehren des Lubavitcher Rebben
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