Paraschat Ekew

Die Parascha in Kürze 
  • Das Versprechen von materiellem Wohlergehen für das Hüten der Gesetze der Torah
  • Eine Versicherung G“ttes, in den bevorstehenden schweren Kriegen diese meistern zu helfen
  • Gebot, sich von Götzendienst fernzuhalten
  • Gebot, sich an das übernatürliche Leben in der Wüste (wie z.B. das Man) zu erinnern und zu wissen, dass alles Materielle von G“tt kommt, obwohl wir nach dem Einzug in Israel für unseren Lebensunterhalt selbst arbeiten müssen
  • Erinnerung daran, dass G“tt uns zur Nation schon in der Zeit der drei Stammväter auswählte
  • Erinnerung daran, wie Mosche um das Verzeihen der Sünde des Goldenen Kalbs betete
  • Die Auserwählung Israels als unser Heimatland und damit die Fortsetzung des zweiten Teils des „Schema“; die Wichtigkeit speziell in Israel sich an die Gesetze zu halten

„Dwar“ der Woche

In unserer Parascha steht im 11. Kapitel ab Vers 10, dass G“tt uns ankündigt, wie die Bewässerungssituation in Eretz Israel aussehen wird. In Ägypten wurde das Land durch die Fluten des Nils bewässert und war dadurch sehr fruchtbar. In Israel hingegen wird das jüdische Volk für Regen beten müssen, der rechtzeitig fallen muss, um Wachstum zu ermöglichen. Aber es ist ein Land, über das G“tt immer wacht.

Hier wird uns ein Einblick darin gegeben, was an Eretz Israel so besonders ist. Wir werden dort erst wissen, ob unsere Existenz gesichert ist, wenn der Regen gekommen ist. Hätten wir es nicht ehrlicherweise bevorzugt, an einem Ort zu leben, dessen Lebensgrundlage gesichert ist? Was will uns die Tora damit sagen, wenn sie uns mitteilt, dass das Land Israel besser ist, weil es vom Regen abhängig ist?

 

In diesen Tagen haben wir gerade Tischa Be‘Aw, den Trauertag über die Zerstörung des Tempels, hinter uns. Wir lesen an den sieben Schabbatot vor Rosch Haschana jeweils in der Haftara tröstende Prophezeiungen über die Erlösung unseres Volkes. Wodurch werden wir denn getröstet, wenn doch der Tempel noch nicht wieder aufgebaut ist?

Warum eigentlich wollen wir Moschiach? Liegt die Erklärung darin, dass wir die Erlösung und den Tempel wollen und nicht weiter eine Tragödie nach der anderen erleben wollen? Oder wollen wir es leichter haben und uns nicht mehr den heutigen Herausforderungen stellen? Dies sind berechtigte Fragen und unsere Not berechtigt uns, für die Erlösung zu beten. Die Idee des Tempels beinhaltet allerdings noch viel mehr. Als das jüdische Volk in Israel zu Tempelzeiten lebte, konnte jeder ständig die Hand G“ttes erleben. Man konnte zum Beispiel schon von weitem in Jerusalem die Rauchsäule sehen, die vom Ketores-Opfer (dem Rauchopfer, das jeden Tag dargebracht wurde) gerade in den Himmel aufstieg, unabhängig davon, ob es windig war oder nicht. Beim Betreten des Tempels bemerkte man, dass es trotz des vielen Blutes und des rohen Fleisches der Opfertiere keine einzige Fliege gab. In diesen Kleinigkeiten zeigte sich, dass es sich um einen speziellen Ort handelte, an dem man die Nähe G“ttes fühlen konnte. Das stärkte den Glauben des Volkes und dadurch konnten sie ihr Leben besser meistern.

Für uns ist es viel schwerer, uns G“tt nahe zu fühlen. Manchmal gelingt es uns im Gebet, aber wir müssen dafür unsere Augen öffnen. Wir beten dafür, dass Moschiach kommt und der Beis Hamikdasch wieder aufgebaut ist, denn dann werden wir wieder G“ttes Wunder vor Augen haben und die Zeichen von G“ttes Hand spüren.

„Maisse“ der Woche

Der Baal Schem Tow wurde einmal von einem Schüler gefragt, was er nach dem Gebet gesehen habe. „Ich bin zum Himmel hinaufgestiegen“, antwortete Bescht, „und diesmal habe ich viel Wundervolleres gesehen als zu der Zeit, als ich die Gabe der Himmlischen Erkenntnisse erhalten habe. Gepriesen sei die Einheit!“ „Kann ich denn solche Sachen auch sehen?“, fragte der Schüler gespannt. „Nein, nicht „du“.“ Der Schüler fühlte sich entmutigt, aber der Baal Schem Tow fuhr fort: „Nicht du, denn das „du“ soll vernichtet werden. Du sollst mit der Einheit eins werden.“ „Aber wie?“ „Konzentriere deine Gedanken auf G“tt; vergiss dich selbst.“ 

„Konzept“ der Woche

„Als Folge davon, dass ihr diese Rechtsordnung hört, und sie achtsam erfüllt, wird es geschehen, dass G“tt dir den Bund und die Liebe wahren wird, die er deinen Vätern geschworen hat.“ Die Grammatik in diesem Vers ist sehr auffällig: es fängt mit dem Plural an: „Ihr sollt hören ...“, aber wenn G“tt sein Versprechen gibt, redet Er plötzlich zum Individuum. Warum ist das so?

In der Tora gibt es sehr viele Gesetze, doch es ist unmöglich für einen einzelnen Menschen, alle zu erfüllen. Es gibt Gesetze, die man nur in Israel ausüben kann, andere wieder sind nur für Priester gedacht bzw. sind nur dann möglich, wenn der Tempel existiert. Kann denn wirklich keiner von sich sagen „ich halte die ganze Tora“? Die Tora wurde uns als Nation gegeben und nur so ist es möglich, alles zu erfüllen. Jeder Einzelne hat durch seine Taten Anteil daran und die Gesetze werden von der Nation zusammen tatsächlich als Ganzes gehalten. Diese Idee ist genau das, was uns dieser Vers lehren will. In der Pluralform wird der Befehl gegeben, die Tora zu halten, denn nur so ist es überhaupt möglich, alles einzuhalten. Beim Versprechen aber, dass G“tt uns den Lohn geben wird, hat schon jeder Einzelne seine eigene Rechnung, was er dafür bekommt. Jeder hat seine Aufgabe, und wie er seinen Teil meistert, so ist auch sein Lohn..

Mit freundlicher Unterstützung von HaMakor.de und Rabinner Aron Orzel